This is a reproduction of a library book that was digitized
by Google as part of an ongoing effort to preserve the
Information in books and make it universally accessible.
Google" books
https://books.google.com
Google
Über dieses Buch
Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Regalen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfügbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde.
Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch,
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist.
Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin-
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat.
Nutzungsrichtlinien
Google ist stolz, mit Bibliotheken in partnerschaftlicher Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nichtsdestotrotz ist diese
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch
kommerzielle Parteien zu verhindern. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen.
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien:
+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden.
+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen
unter Umständen helfen.
+ Beibehaltung von Google-Markenelementen Das "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht.
+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein,
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben.
Über Google Buchsuche
Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppen zu erreichen.
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter http : //books . google . com durchsuchen.
P455
J28
1903
MAIN
LIBRARY
OF THE
University of California.
GIFT OK
1/U aast:
Class
Digitized by
Digitized by
Digitized by
Googl
Digitized by
Digitized by
Philipp de Vigneulle’s
Yonnet de Mes und sein Verhältnis zur Redaktion N
des Romans Anseis de Mes.
Inaugural - Dissertation
der
Men pMlosopteicte FaMät der Dnroreität Greffinalä
Erlaeguig der philosophischea Doktorwürde
vorgelegt
und mit den beigefügten Thesen
am
Freitag, den 8. Mai 1903
Mittags 12 Uhr
öffentlich verteidigt
von
Zacl T a, li. xi
aus Wandsbeck.
Opponenten :
Herr cand. plüL Se-hlprff.
Herr cand. phil. Krause.
Herr cand. jur. Kalbe.
Greifswald.
Hans Adler, Buchdruckerei.
1903 .
Digitized by v^ooQle
Digitized by
Meinen lieben Eltern.
4
Digitized by
Google
Digitized by v^ooQle
A. Vorwort.
In dem Schlußteile der von Philipp de Vigneulle
verfaßten Prosabearbeitung v der Chanson des Lo-
herains hat uns der Verfasser den Tod Givberts de
Mes, die Thaten seines Sohnes Yonnet und das Ende
der Lothringer beschrieben. Ähnliche Fortsetzungen
der Chanson de Girbert de Mes sind außer im Roman
von Anseis de Mes noch in der Handschrift M a (die
sogenannte Vengeance Fromondin) und dem hollän-
dischen Roman der Lorreinen *) erhalten. Diese letztere
ausländische Bearbeitung der Lothringer ist nur in
Bruchstücken vorhanden, die fast alle einer Fortsetzung
der Chanson angehören, die uns in französischer
Sprache überhaupt nicht überliefert ist. Den Schluß-
teil der Handschrift M a hat A. Rudolph **) näher
charakterisiert und zugleich eingehend analysiert.
*) De Roman der Lorreinen, nitgegeven door Dr. J. C.
Matthes, Groningen by J. B. Wolters, 1876, besprochen von E.
Stengel in der Zeitschrift für roman. Phil. I, 187 ff. — G. Hnet,
Les fragments de la traduction neerlandaise des Lorrains: Ro-
mania XXI, 361 ff, cf. E. Stengel im Jahresbericht über die
Fortschritte der romanischen Philologie III 1 81. — H. Fischer,
Zwei Fragmente des mittelniederländischen Romans der Lor-
reinen. Festschrift zur vierten Säcularfeier der Eberhard Karls-
Universität zu Tübingen. Stuttgart bei Karl Aue 1877.
**) Alfred Rudolph, Über die Vengeance Fromondin, die
allein in Handschrift M a erhaltene Fortsetzung der Chanson de
Girbert de Mes. Marburg, Diss. 1884 (in Ausg. u. Abh. aus d.
Geb. der rom. Philol. XXXI).
1
Digitized by v^ooQle
2
Wie er nach weist, hat der sehr unselbständige Ver-
fasser die Anseisredaktion S als Vorlage benutzt und
in recht ungeschickter Weise vorauf gegangene Ereig-
nisse des Girbert, nur auf andere Orte und Personen
übertragen, wiederholt. Philipp de Vigneulle’s Fort-
setzung der Chanson de Girbert de Mes bildet den
Schlußteil seiner im Jahre 1515 verfaßten Prosabe-
arbeitung der ganzen Lothringer-Geste.*) Diese ist
uns in 2 Handschriften überliefert, von denen die eine
mit kostbaren Bildern gezierte sich im Besitze der
Familie der Grafen von Hunolstein befindet (vormals
gehörte sie einem Grafen Emmery in Epinal und noch
früher P. Ferrey, ministre de la R. P. R.), die zweite
in der Stadtbibliothek zu Metz aufbewahrt wird. In
letzterer Handschrift ist der Text durch den Verlust
einer Lage unvollständig (306a — 313) überliefert, aber
von A. Prost 1849 nach der Hunolsteinschen Hand-
schrift ebenso wie an anderen Stellen ergänzt (Bl.
314 — 325). Die Metzer Handschrift hält Prost für
ein „brouillon autographe,“ die Hunolsteinsche für
„une mise au net autographe“. Michelant, Böckel
•
*) Vgl. Otto Böckel, Philipp de Vigneulle’s Bearbeitung
des Hervis de Mes (Marburg, Diss 1883) und die im Erscheinen
begriffene Ausgabe des Hervis de Mes des Herrn Prof. Stengel
(erste Publikation der neubegründeten Gesellschaft für roman
Literatur). Desgleichen die Textstellen bei Rudolph, sowie A
Rhode, Die Beziehungen zwischen den Chansons de geste Hervis
de Mes und Garin le Loherain und ihre nachträgliche Ver-
knüpfung durch den Verfasser der Redaktion NT der Geste des
Loherains. Marburg, Diss. 1881. (Ausg. u. Abh. III); endlich
die anonyme Publikation sämtlicher Kapitelüberschriften: La
Chanson de geste de Garin le Loherain mise en prose par
Philippe de Vigneulles de Metz. Table des chapitres avec les
reproductions des miniatures d’apres le manuscrit de la chanson
appartenant a M. le comte d’Hun oistein. Paris, Librairie Henri
Ledere 1901. 4°. XVI u. 90 S.
Digitized by
Google
3
und der anonyme Herausgeber der Kapitelüberschriften
der Hunolsteinschen Handschrift sprechen sich im
selben Sinne aus. Prof. Stengel ist dagegen zu der
entgegengesetzten Ansicht gelangt, daß nämlich die
Metzer Handschrift eine von Philipp de Vigneulle
zum größten Teil selbst an gefertigte, aber an manchen
Stellen gekürzte, abgeänderte oder ergänzte Abschrift
der Hunolsteinschen Handschrift darstellt. (S. Vorwort
zu seiner Ausgabe des Hervis de Mes. Bd. I. Dresden
1903.) Die von Böckel S. 5 angeführten Vermerke
deuten allerdings darauf hin, daß auch von dieser
Handschrift eine Reinschrift angefertigt werden sollte.
Die fragliche Fortsetzung besteht aus 18 Kapiteln und
lag mir in einem für Prof. Stengel von 0. Böckel
angefertigten Abdrucke der Metzer Handschrift vor.
Ich benenne sie wie schon andere Yonnet. Zu ihr
bemerkt Philipp selbst (v 306a) : A la lowange de dien le
pere et de toutte la [sainte] trinite, je Philippe de Vigneulle
dessus nommes ait eschevis extraicte et compouseis cest deux
livre precedant nommeis, l’ung de la belle Beaultris fille au
roy Hutaisse de Thir et l’aultre c’est dez mervilleux fait d’airme
du Lourain Guerin de Mets du duc Baigue de Bellin son frere
et de tont leur lignie comme cy devent aveis öy. Non pas que
je [soie] asseis souffisant ny asseiz saige pour avoir fait une
telz euvre [ne qu’il soie en cy biaulx tairme] come il deussent
estre [mi?]. Mais je l’ei seullemant fait pour mon [paissetamps
et] plaisir. Et pource apres ce fait et que je l’eus eschevis je
Philippe dessus nommeis ait saichiez retournes revireis et an-
querir plusieurs ancienne istoire voullume livre et cronicque,
desirant et appetant pour savoir mon quelle fut la fin du roy
Gilbert et de Yonnet son filz paireillement de Hernault de Gerin
et de Malvoisin, et ce jamaix ce esmeust plus la morteile guerre
laquelle tant de fois ce avoit racommenciet come en la prece-
dande istoire aveis öy . . . . Or escouteis pour dieu la merveille
comme le inest la vraye istoire laquelle j’eij mis de rime en
prouse come enciennement on l’avoit escript et Pei retrait au
moins malz que j’ei peu de trais ou quaitre ancienne istoire et
1 *
Digitized by Google
4
les remis concordez et joing ensemble en une .... Desgleichen
v 325a: La quelle histoire je Philippe de Vigneulle cy devant
nommez la (= ai) retraict mis par chappitre et recuellis de
plwseurs livres et rime ancienne ainsy come vous aves öys.
In der nachstehenden Arbeit soll untersucht
werden, ob sich diese Handschriften oder wenigstens
eine derselben noch feststellen lassen. Zum besseren
Verständnis wird eine zusammmenhängende Analyse
Yonnets vorausgeschickt werden. Auf einen voll-
ständigen Abdruck von v, den ich geplant hatte, muß
ich aus Raummangel zur Zeit verzichten und mich auf
Mitteilung der entscheidenden Stellen beschränken.
B. Analyse der Hs. v.
In einer allgemeinen Einleitung deutet der Ver-
fasser bereits in großen Zügen die Entstehung und
den Verlauf der Kriege, sowie den schließlichen
Untergang der beiden sich unaufhörlich befehdenden
Sippen der Lothringer und Bordelesen an.
Kapitel I. Eines Tages befindet sich Graf
Hernaut an dem Hofe des Königs Gilbert in Ais in
der Gascogne. Die beiden Freunde geben ihrer Freude
darüber Ausdruck, daß sie jetzt, nachdem Fromondin
getötet und seine Sippe unterworfen ist, endlich den
so lange herbeigesehnten Frieden haben werden. Im
Laufe der Unterhaltung teilt Hernaut seinem Vetter
mit, daß er seinen bisherigen Wohnsitz Gironville
Verlassen und mit seinem Weibe Ludie und seinem
* Sohne Lowis in Lens in Lainoy seinen Aufenthalt
nehmen werde, dem ehemaligen BesitztumeFromondins.
Zugleich bittet er Gilbert, ihn in Lens zum Pfingst-
feste'zu besuchen und seinen Sohn Yonnet mit dort-
hin zu ^ringen, damit die beiden Jünglinge sich
kennen lernten und Freundschaft schlössen. Lowis
Google
5
soll an jenem Tage den Ritterschlag erhalten. Gilbert
nimmt die Einladung an. — Am nächsten Tage reitet
der Graf nach Lens zurück, wo Ludie ihn freudig
empfängt. Ihre Freude über die Rückkehr ihres Ge-
mahls verwandelt sich aber bald in die tiefste Trauer,
als Hernaut sie über den Tod ihres Bruders Fromon-
din unterrichtet. Ohnmächtig vor Schmerz bricht sie
zusammen. Als sie sich wieder erholt hat, schwört
sie, an seinen Mördern grimmige Rache zu nehmen.
Kapitel II. Pfingsten rückt heran. Hernaut
sendet Boten nach Köln an den Hof Gerins sowie
zum Könige Gilbert, um sie zu den geplanten Feier-
lichkeiten zu bitten. Gilbert empfängt den Boten
hocherfreut und verspricht ihm, am nächsten Tage mit
seinem Sohne Yonnet nach Lens aufzubrechen. Als
die Königin die Zusage ihres Gatten vernimmt, wird
sie von bösen Ahnungen ergriffen. Sie fürchtet mit
Recht, daß ihrem Gemahl von Seiten seiner Todfeindin
Ludie Unheil drohen wird. Sie bittet ihn daher fle-
hentlich, von der Fahrt abzustehen. Unwirsch weist
Gilbert diese Bedenken zurück. Er nimmt herzlichen
Abschied von der Weinenden und begiebt sich mit
seinem Sohne, reichlich mit Geschenken versehen, in
Begleitung von 20 Rittern und vielen Mannen auf die
Reise. Über Berg und Tal führt sie der Weg durch
Yermandois, Cambrai und Artois hindurch, bis sie
eines Morgens in Lens ankommen. Hier wird ihnen
ein herzlicher Empfang bereitet. Hernaut und König
Gerin reiten ihnen mit grossem Gefolge entgegen.
In fröhlichem Turniere zeigen die Ritter zu Ehren
ihrer Gäste ihre Kunst. Escuier und demoiselles er-
götzen sich in Tanz und Gesang, Spielleute lassen
ihre fröhlichen Weisen ertönen.
Kapitel III. Nur eine hält sich vom allgemeinen
Digitized by v^ooQle
6
Festtrubel zurück — Dame Ludie. Aufgebracht über
die Ehren, die man König Gilbert erweist, schmiedet
sie in ihrem Gemache finstere Rachepläne. Nach reif-
lichem Erwägen glaubt sie, endlich den richtigen Weg
gefunden zu haben, den verhaßten Feind ihres Ge-
schlechts zu vernichten. Ihr Sohn Lowis soll ihr zur
Ausführung ihres Planes behilflich sein. Sie ruft ihn
zu sich, schildert ihm ihren Schmerz und beschwört
ihn, die ihrer Sippe angetane Schmach an Gilbert zu
rächen, der ihren im Walde als Einsiedler lebenden
Bruder Fromondin getötet hat. Aber ihre Überredungs-
künste scheitern an dem festen Widerstande des Knaben.
Er weigert sich entschieden, zum Verräter an dem Vater
seines Freundes Yonnet zu werden. — Lowis verläßt
das Gemach -seiner Mutter und sucht Yonnet auf. Auf
das Herzlichste begrüßen sich die beiden und in fröh-
lichem Geplauder gehen sie zur Freude der Barone
miteinander in den Saal. Hier findet ein prächtiges
Diner statt. Nach demselben setzen sich Gilbert,
Hernaut, Gerin und Malvoisin zum Schachspiele nieder,
während die beiden Jünglinge beschließen, eine Beize
zu veranstalten. Sie besteigen ihre Rosse, nehmen
Falken zu sich und reiten in Begleitung mehrerer
Knappen auf die Jagd. Ausgelassen und in froher
Jugendlust geben sie sich ganz lärmenden Spielen hin,
die aber plötzlich infolge eines kleinlichen Anlasses
eine unerwartete, betrübende Wendung nehmen sollten.
Lowis hatte sich einen zweiten Vogel mitgebracht, den
er in die Luft warf, um ihn alsdann von seinem Falken
greifen zu lassen. Als ihm sein Vorhaben mißlang,
gab Yonnet, ohne sich etwas Böses dabei zu denken,
seinem Falken die Freiheit, dem es auch glückte, seine
Beute zu fangen und zu töten. Hierüber gerät Lowis
in eine maßlose Wut, In schmählichen Worten be-
Digitized by
Google
7
schimpft er seinen Vetter und dessen Sippe. Yonnet
verhält sich diesen unmotivierten Beleidigungen des
boshaften Knaben gegenüber ruhig. Ja, um auf alle
Fälle einen verderbenbringenden Krieg zu vermeiden,
bittet er seinen Vetter sogar um Verzeihung und bietet
ihn zum Ersatz für den getöteten Falken seinen eigenen
an. Als er aber einsehen muß, daß seine Demütigung
nichts fruchtet, Lowis vielmehr in seinem Starrsinn
beharrt, packt er in höchster Wut seinen Falken und
versetzt seinem Vetter mit demselben einen derartigen
Schlag ins Gesicht, daß der Vogel zerschmettert und
mit seinem Blute die Wangen Lowis dunkelrot färbt.
Die Schwerter fliegen aus den Scheiden, im Zwei-
kampfe schlagen die Erzürnten auf einander ein. Nur
mit Mühe und Gewalt gelingt es den Begleitern, die
erregten Jünglinge zu trennen und so noch größeres
Unglück zu verhüten. — Lowis reitet, sein blutiges
Antlitz mit dem Mantel verdeckend, nach Haus zu
seiner Mutter zurück.
Kapitel IV. Als Ludie von ihrem Sohne hört,
daß Yonnet ihn so übel zugerichtet hat, bricht sie in
ohnmächtiger Wut zusammen. Doch bald erholt sich
das rachedurstige Weib wieder und beginnt von neuem
ihre Überredungskünste geltend zu machen, um Lowis
zum Morde an Gilbert aufzuraizen. Jetzt hat sie
leichtes Spiel. Willig leiht Lowis ihren verräteri-
schen Plänen Gehör. Er soll den nichtsahnenden
König im Saale überfallen, töten und dann schleunigst
zu seiner Mutter zurückkehren, die ihn vor jeder
Verfolgung schützen wird. — Bachedurstig eilt der
Jüngling in den Saal. Hier wird er von Gilbert
freundlich begrüßt; jedoch verharrt er den scherzenden
Worten des Königs gegenüber in finsterem Schweigen.
In dem Saale läßt zur selben Stunde ein Spielmann
Digitized by
Google
8
seine munteron Melodien hören. Ritter und Knappen
lauschen seinen wunderbaren alton und neuen Minne-
weisen. Diesen Augenblick benutzt Lowis, um seinen
verbrecherischen Plan auszuführen. Hinterrücks schleicht
er sich an Gilbert heran und spaltet ihm mit wuchtigem
Schwertschlage das Haupt. Nach vollbrachter Tat
entflieht der Mörder schnell und verbirgt sich bei
seiner Mutter. Doch sein Gewissen läßt ihm keine
Ruhe. Bittere Reue über die fluchwürdige Tat packt
ihn, die noch vermehrt wird durch die Angst vor der
Rache dör Lothringer. Mit harten Worten klagt er
sich an. Ludie aber weiß ihn bald zu beruhigen, in-
dem sie ihn darauf hinweist, daß weder Hernaut, noch
Gerin und Malvoisin ihn im Falle eines Krieges im
Stiche lassen werden. Dann läßt das energische Weib
die Tore verbarrikadieren, um jedes Unheil von dem
Haupte ihres Sohnes abzuwenden.
Kapitel V. Hernaut, Gerin und Malvoisin, die
Zeugen des schmählichen Verrates, weinen, nachdem
sie sich vom ersten Schrecken erholt haben, in tiefer
Trauer um den ermordeten Helden. Händeringend
beklagt Hernaut die gemeine Tat, die er dadurch
sühnen will, daß er den eigenen Sohn erbarmungslos
Yonnet zur Justiz überliefern will. Doch er allein
hat nicht über Lowis zu bestimmen, seine Barone
müssen ihm seine Zustimmung geben. — Der tote
Ritter wird entkleidet und unter allgemeinem Weh-
klagen auf eine Bahre gelegt. Geistliche verrichten
ihre Gebete an der Leiche und bitten Gott, daß er
die Seele des Königs Gilbert in Gnaden zu sich nehmen
möge. — Yonnet ist mittlerweile noch auf der Jagd
mit seinem Knappen Thierey zurückgeblieben. Plötzlich
dringt vom Palaste unheilverkündender Lärm zu ihm
herüber. Von bösen Ahnungen ergriffen, sendet er
Digitized by
Google
9
Thiorey ins Schloß, um die Ursache des Geräusches
zu erforschen. Dieser kehrt nach kurzer Zeit bleich,
mit verstörtem Antlitz zu seinem Herrn zurück und
berichtet ihm das Vorgefallene. Kurz entschlossen
sendet der Jüngling seinen Knappen noch einmal in
den Palast mit dem Befehl an seine Ritter, die Leiche
des Königs von der Bahre herabzunehmen und auf
ihren Lanzen, die Spitzen der Speere nach vorne ge-
richtet, aus dem Schlosse zu tragen. Dieses zum
Zeichen, daß er dem verfluchten Mörder Krieg und
Rache geschworen habe. Thierey geht — und jetzt erst
überläßt sich Yonnet seinem unsäglichen Schmerze. —
Die Ritter befolgen den Befehl ihres jungen Herrn
und tragen die Leiche halb erhoben auf den Lanzen
zur Stadt hinaus. Ihnen schließen sich tiefbetrübt
Gerin, Malvoisin und Hernaut an, die um des Friedens
willen Yonnet um Gnade anflehen wollen. Als dieser
den Leichnam seines Vaters erblickt, beklagt er bitter
das Schicksal des Edlen und schwört dem Mörder
blutige Rache. Jede andere Sühne weist er zurück. —
Hernaut erweist dem Jünglinge einen letzten Freundes-
dienst, indem er ihm auf seine Bitte unbehelligten
Marsch durch sein Land zusichert. Unter allgemeinem
Wehklagen setzt sich der Trauerzug der Heimat zu
in Bewegung. Weinend geben auch Hernaut, Gerin
und Malvoisin dem Toten bis zur Landesgrenze das
letzte Geleit. Hier läßt Yonnet Halt machen, ruft Her-
naut zu sich und beschwört ihn bei seinem Leben,
dieselbe nicht zu überschreiten, da er gegen ihn und
seine Sippe blutigen Krieg geschworen habe. Trotz-
dem betrachtet der Jüngling den Grafen noch als seinen
Freund und mit Handschlag verspricht er ihm, niemals
an ihm zum Verräter zu werden. Er werde ihm viel-
mehr durch Boten verkünden, wenn er sich zum Rache-
Digitized by
Google
10
zug anschicken werde, damit Hernaut vorbereitet sich
in ehrlichem Kampfe 'mit ihm messe. — Tief be-
wegt kehrt der edle Graf mit den Seinen nach
Lens zurück.
Kapitel VI. Als sie hier eintreffen, kommt ihnen
Ludie entgegen. Sie bereut das Geschehene nicht im
geringsten, sondern macht ihrem Gemahl vielmehr Vor-
würfe, daß er Yonnet unbehelligt hat ziehen lassen.
Nach ihrer Meinung hätte er Yonnet, um den Krieg
zu vermeiden, für Lebenszeit in den Kerker werfen
sollen. Als Gerin diese Worte vernimmt, ergreift er
in seinem Zorn einen Stock, um sie verdientermaßen
zu züchtigen. Die Barone schützen jedoch ihre Herrin
und halten den König zurück, der die Friedensstörerin
mit Beleidigungen überschüttet. Ohne sie weiter zu
beachten, gehen die Bitter dann in den Palast. —
Yonnet und die Seinen sind mittlerweile nach mühe-
vollem Bitte bis zur Abtei St. Mihiel gekommen. Hier
machen sie Bast, um zu übernachten. Auf den Bat
seiner Freunde läßt Yonnet hier die Leiche seines
Vaters öffnen und einbalsamieren. Am nächsten Morgen
setzen sie die Beise fort bis sie Terrasgonne erreichen,
von wo sich die Kunde von dem Geschehenen wie ein
Lauffeur über Stadt und Land verbreitet. Groß und
klein beklagen den Verlust ihres guten Landesherrn,
als ob ihnen der eigne Vater gestorben wäre. Die
Leiche wird in den Dom gebracht, wo dem Könige
die letzten kirchlichen Ehren unter feierlichen Cere-
monien erwiesen werden. Als die Königin den Toten
erblickt, bricht sie ohnmächtig über der Leiche zu-
sammen. Vergeblich ist das Bemühen der anwesenden
Fürsten und Barone, sie zu trösten. Vor Schmerz
ist sie der Verzweiflung nahe. Y r onnet wird beim
Anblick seiner Mutter von tiefem Mitleid ergriffen und
Digitized by
Google
11
klagt seinerseits das unglückliche Geschick an, das ihm
in Zukunft Krieg über Krieg bringen wird. Nach der
Beisetzung des grossen Toten, die sich unter allen
Ehrenerbietungen vollzieht, die seinem Range ziemen,
kehrt Yonnet in den Palast zurück.
Kapitel VII. Hier versammelt der junge Fürst
seine Barone zum Rate. Mit Tränen in den Augen
führt er ihnen das Aussichtslose seiner Zukunft vor
Augen, da er weder Verwandte noch Freunde habe,
die ihn mit Rat und Tat unterstützen könnten. Darum
wolle er „comme powre chetif et malheureux“ seine
Heimat verlassen, um in fernen Landen sein Glück
zu versuchen. Einstimmig mißbilligen seine Ritter
jedoch diesen Entschluß und ermahnen ihn, unverzagt
in die Zukunft zu blicken. Aus eignen Mitteln wollen
sie ihm 1000 Wohlbewaffnete zur Verfügung stellen.
Freudig dankt Yonnet ihnen für ihren guten Willen.
Doch was nützt ihm diese kleine Schar gegen die
Heeresmacht der Feinde? Da erinnert er sich seines
Paten des alten Königs Anseis von Köln, der ein er-
probter Freund seines Vaters war. Er schlägt den
Baronen vor, ihn um Hilfe in der Not zu bitten.
Freudig stimmen alle dem guten Vorschlag bei.
Kapitel VIII. Yonnet wählt zwei besonders
tüchtige Ritter aus, die er an den Hof des Königs An-
seis schickt: Guillon und Hanry sind sie genannt. Er
giebt ihnen die erforderlichen Verhaltungsmaßregeln,
überreicht ihnen einen für seinen Paten bestimmten
Brief und entläßt sie. Die beiden Gefährten machen
sich sogleich auf den Weg, durchziehen Viennois,
Burgund und Lothringen und kommen, nachdem sie
die Ardennen überschritten haben, wohlbehalten in
Köln an. Im Königsschlosse treffen sie bei Anseis auch
Gerin, der im Aufträge Hernauts gekommen ist, um
Digitized by
Google
12
gleichfalls um Hilfe zu bitten. Hanry entledigt sicli
seines Auftrages mit großem Geschick, indem er dem
Könige die trostlose Lage Yonnets schildert und ihn
bittet, die dem Vater gehaltene Freundschaft auch auf
den Sohn zu übertragen. Dann überreicht er den
Brief seines Herrn, den der König erbricht und von
einem Sekretär vorlesen läßt. Yonnet stellt in dem
Schreiben den Sachverhalt so ergreifend dar, daß dem
Leser die Tränen aus den Augen stürzen. Als der
augenblicklich anwesende Bischof von Liege den Be-
richt hört, rät er dem Könige aufs Eindringlichste,
seinem Patenkinclo zu helfen. Gerin wird durch den
Rat des Bischofs so aufgebracht, daß er zum Schwerte
groift und auf ihn einschlagen will. Zum Glück wird
er von den Rittern zurückgehalten. Der mutige Geist-
liche läßt sich hierdurch jedoch nicht beirren, sondern
giebt klar und offen seine ehrliche Meinung kund.
Er weist den König auf die heilige Schrift hin, die es
ihm zur Pflicht mache, das dem Vater bei der Taufe
gegebene Versprechen zu halten und die Rechte seines
Patenkindes zu verteidigen. Anseis schließt sich dem
Wunsche seiner Barone an und beschließt Yonnet mit
30 000 Mann zu Hilfe zu eilen. Dankbar fallen Guil-
lon und Hanry ihm zu Füßen. — Da ihn nach
seinem Mißerfolge nichts mehr hält und seine An-
wesenheit nur böses Blut erregen würde, verläßt Gerin
das Schloß und begiebt sich in die Stadt. In seinem
Logis angekommen, ruft er den Wirt zu sich, den er
überredet, am nächsten Morgen die Gesandten Yonnets
aufzusuchen und ihnen zwei frische Pferde zum Er-
satz für ihre eigenen, durch die Reise arg mitge-
nommenen Rosse anzubieten. Den Namen des Spen-
ders solle er jedoch auf jeden Fall verschweigen. Der
Wirt tut wie ihm geheißen und versucht, den beiden
Digitized by
Google
13
Gesandten die Pferde aufzuschwatzen. Diese schöpfen
aber sogleich Verdacht und erraten richtig die Her-
kunft der Pferde. Entrüstet weisen sie daher das Ge-
schenk ihres Feindes zurück, um sich nicht durch die
Annahme desselben zu entehren. Unverrichteterweise
kehrt der Wirt beschämt zurück. König Gerin ist
hocherfreut über die Charakterfestigkeit der Boten.
Zugleich entlockt ihm aber der Gedanke, gegen die
gerechte Sache Yonnets zu Felde ziehen zu müssen,
heiße Tränen. Noch zur selben Stunde tritt er mit
seinen Begleitern über Treis, Nivelle, durch Henne-
gau hindurch den Rückzug nach Haus an.
Kapitel IX. In der Heimat wird Gerin von
Hernaut und seinen Angehörigen empfangen, denen
er die unerfreuliche Nachricht überbringt, daß Anseis
sein Patenkind mit einer Armee von 30000 Mann
unterstützen wird. Der Anblick Ludies bringt ihn in
Wut. Er verwünscht die Stunde, in der Hernaut sie
zum Weibe nahm und verflucht zugleich den Krieg,
der die Blüte der kriegerischen Jugend hinwegraffen
und ihm selbst vielleicht den Tod bringen wird. —
Hernaut hört trüben Sinnes alles an. Da ihm sein
Herz sagt, dass er nicht lebend aus dem Kriege zu-
rückkommen wird, schlägt er Gerin vor, nach Paris
zu reisen und dort seinen Sohn Lowis vom Könige
Pipin zum Ritter schlagen zu laßen. Ohne Verzug
treten sie die Fahrt an.
Kapitel X. Am Hofe werden sie von dem
alten weißbärtigen Könige empfangen, dem sie de-
mütig ihr Anliegen vortragen. Als Pipin aber von
dem an seinem Freunde Gilbert begangenen schmäh-
lichem Verrate hört, gerät er außer sich und verflucht
den Mörder. Höhnisch weist er das Verlangen, den
Verräter zum Ritter zu schlagen, zurück und fordert
Digitized by
Google
14
sie unter Androhung eines schimpflichen Todes auf,
sofort den Hof zu verlassen. Ohne Abschied und tief
beschämt treten die Ritter die Rückreise an. In der
Heimat kommt ihnen Ludie entgegen, die ihren Ge-
mahl mit Fragen über den Verlauf der Reise bestürmt.
Hernaut teilt ihr den bösen Empfang am Hofe und
die Weigerung des Königs mit. Er verwünscht den
unheilvollen Krieg, der unabsehbares Elend über sein
Land und Volk bringen wird. Das energische Weib
sucht ihm die quälenden Gedanken zu verscheuchen,
indem sie ihm einen bisher verborgen gehaltenen
Schatz zur Verfügung stellt, aus dessen Mitteln sie
ein starkes Heer an werben will.
Kapitel XI. In rastloser Tätigkeit macht sich
Ludie sogleich an ihr Werk. Bis in die entlegensten
Gegenden von Artois und Flandern lassen ihre Boten
den Werberuf erschallen. Von allen Seiten strömen
Krieger in Scharen herbei, sodaß sich nach 14 Tagen
schon über 20000 Bewaffnete in den Mauern der
Residenz Lens eingefunden haben. Bald stellen sich
auch die Verwandten und Freunde des alten Frömont
ein, sodaß Hernaut jetzt über eine Armee von 40000
Mann verfügt. Triumphierend rühmt sich Ludie ihres
Werkes. Dem Könige Anseis und seinem ihr so ver-
haßten Patenkinde droht sie einen schimpflichen Tod.
— Bald nach der Abreise Gerins von Köln verlassen
auch die Gesandten Yonnets den Hof des Königs, um
ihren sehnsüchtig der Antwort harrenden Herrn nicht
länger in Ungewißheit zu lassen. Hocherfreut ver-
nimmt Yonnet die willkommene Botschaft und dankt
Gott für die Hilfe in der Not. Durch die bereitwillige
Unterstützung der Verwandten seiner Mutter gelingt
es ihm, eine Armee von 30000 Mann aufzubringen.
Nach herzlichem Abschiede von seiner Mutter bricht
Digitized by
Google
er mit seinem Heere zum Marsche auf und erreicht
nach einigen Tagemärschen Dijon, die alte Residenz
der Burgunderherzöge. Hier schließt sich ihm Amau-
reis, ein Verwandter seiner Mutter, mit einem 10000
Mann starken Heere an. Am nächsten Morgen mar-
schieren sie vereint weiter und nehmen ihren Weg
durch Lothringen hindurch nach St. Michiel in Barrois.
Kapitel XII. In einem kleinen Kastelle in der
Stadt nehmen Amaureis und Yonnet Quartiere. Das
Heer wird in einem Zeltlager an der Maaß unterge-
bracht. Da die Soldaten von dem weiten Wege er-
müdet sind, und der Weitermaisch infolge des sich
hoch auftürmenden Gebirges sehr beschwerlich werden
würde, beschließt man, hier König Anseis und seine
Mannen zu erwarten. Yonnet entsendet Boten nach
Köln, um den König von diesem Plane in Kenntnis
zu setzen. Die Gesandten nehmen ihren Weg durch
das wildromantische Ardennenland hindurch und
kommen nach 5 Tagereisen in Köln an, wo sie sogleich
ihren Auftrag ausrichten. Anseis hat bereits alle Vor-
bereitungen zum Kriege getroffen. Seine Armee ist
marschbereit und mit Waffen und Lebensmitteln vor-
trefflich versehen. Unter der Führung der beiden
Boten Yonnets kann man daher ohne Verzögerung
aufbrechen. Nach beschwerlichen Märschen kommt
das stattliche Heer wohlbehalten in St. Michiel an,
wo Yonnet seinen hilfsbereiten Paten in Dankbarkeit
herzlich begrüßt. Noch am selben Tage erteilt An-
seis dem Jünglinge den Ritterschlag. Am nächsten
Morgen verlassen die vereinigten Armeen die Stadt
und nehmen ihren Weg durch Vermandois hindurch
über St. Quentin nach Arras.
Kapitel XIII. Eingedenk seines Hernaut beim
Scheiden gegebenen Versprechens, sendet Yonnet im
Digitized by v^ooQle
16
Einverständnisse mit seinem Paten dem Grafen von
hier aus seine beiden erprobten Gesandten mit der
Nachricht, daß er am nächsten Tage den Kampf er-
öffnen werde. Mit Geschick entledigen sich diese
ihrer Aufgabe. Wohlvorbereitet, aber schweren Her-
zens sieht Hernaut dem Kampfe entgegen. — Nach
der Rückkehr der Boten läßt Yonnet zum Sammeln
blasen und rückt von Arras aus dem Feinde mit
fliegenden Standarten entgegen. An einem Berge in
der Nähe von Lens, La Gohelle genannt, stellen die
Verbündeten ihre Heere auf.
Kapitel XIV. Als Hernaut von der Höhe seines
Palastes aus die Fahnen der Gegner im Winde flattern
sieht, erschrickt er über die Stärke der feindlichen
Heereshaufen. Jammernd verwünscht er seinen Sohn
Lowis, dessen verräterische Tat unabsehbares Elend
über sein Land und Volk bringen wird. Dann läßt
er sein Heer zu den Waffen rufen. Hörner erschallen
in den Straßen der Stadt Lens, alles bereitet sich in
kürzester Zeit zum Kampfe vor. Ein Heer von 40000
Mann ergießt sich aus den Toren der Stadt auf das
offene Feld. 700 Ritter aus der Verwandtschaft Fro-
monts bleiben im Schlosse zum Schutze Ludies und
ihres Sohnes zurück. Auf einem prächtigen Rosse
reitet Hernaut den Seinen voran. In einer Ansprache
fordert er sie auf, tapfer zu kämpfen, indem er ihnen
zugleich verspricht, daß er, falls er am Leben bleiben
sollte, ihnen all sein Hab und Gut zur beliebigen
Verwendung überlassen werde. Auf beiden Seiten
rückt man zum Angriffe vor. Hernaut hat sein Heer
in 3 Kolonnen eingeteilt, Yonnet stellt 4 Heerhaufen
auf. Es entspinnt sich ein furchtbares Handgemenge.
Die Erde erzittert von dem ohrenbetäubenden Lärme.
Schon nach kurzer Zeit bedecken viele Tote das Feld.
Digitized by
Google
17
Man sollte glauben, Heiden wüten zu sehen, und doch
sind es Angehörige einer Nation, ja gar Freunde und
Verwandte, die dort miteinander kämpfen! — Be-
wunderungswürdig schlagen sich die Mannen des
Königs Anseis. Hernaut muß wohl oder übel vor
ihnen weichen. Doch mutig und voll Zorn stürzt
er sich von neuem in die feindlichen .Reihen. Er
trifft auf König Anseis, dem er mit einem gewaltigen
Schwertstreiche den Kopf spaltet, so daß er tot vom
Pferde fällt. Mit lauter Stimme ruft Hernaut den
Seinen zu, niemand zu schonen. Den besten Ritter
der Feinde habe er erschlagen, mit den übrigen würden
sie leichtes Spiel haben. Die Alemannen geraten in-
folge des Todes ihres Königs in Verzweiflung, sie
wollen das Feld räumen. Als Yonnet hiervon Kunde
bekommt, eilt er sofort hinzu und fordert die Ab-
trünnigen auf, den Tod ihres Fürsten zu rächen. Sein
Bemühen ist vergeblich, die Treulosen sind ihrem
Könige Anseis willig gefolgt, Yonnet gegenüber fühlen
sie sich nicht mehr verpflichtet. — Wütend kehrt
Yonnet ihnen den Rücken und sucht sich einen Weg
durch die dichtesten Scharen der Feinde hindurch.
Er findet sich plötzlich vor der Leiche des Königs
Anseis. Bitter beklagt er seinen Paten, der für ihn
in den Tod gegangen ist und schwört, ihn zu rächen.
Dann gibt er seinem Rosse die Sporen und sprengt
auf Hernaut zu, dem er mit einem gewaltigen Schlage
Schild und Halsberg zerschmettert, sodaß er vom
Pferde stürzt und tot zu Füssen des jungen Helden
hinfällt. Die gegenseitige Erbitterung nimmt immer
mehr zu. Den Tod Hernauts zu rächen, stürzt sich
Malvoisin auf Yonnet. Tapfer hält dieser dem mutigen
G-egner stand, den viele Verwandte Fromonts tatkräftig
unterstützen. Dieser Übermacht wäre Yonnet sicher
2
Digitized by v^ooQle
unterlegen, wenn ihm nicht seine Landsleute zu Hilfe
gekommen wären und ihn aus der Gefahr befreit hätten.
Diese bitten ihn jetzt inständig, vom Kampfe abzu-
lassen und nach Arras zurückzukehren, da nach Ab-
zug der Alemannen sie den Gegnern durchaus nicht
mehr gewachsen seien. Unwillig weist Yonnet dieses
Ansinnen zurück. Er will entweder Rache für Gilbert
und Anseis nehmen, oder selbst tot auf dem Felde
bleiben. — Er erblickt Gerin und reitet ihm wutent-
brannt entgegen. Gerin wird von ihm zwar verwundet
schlägt dann aber in seinem Zorn derartig auf den
Jüngling ein, dass er ihm sicherlich das Haupt zer-
schmettert hätte, wenn ihn nicht sein unzerstörbarer
von Feen angefertigter Helm geschützt hätte. Durch
rechtzeitiges Eingreifen der Seinen wird der junge
Held zum zweiten Mal gerettet. — Im weiteren Ver-
lauf des Kampfes gerät er mit Malvoisin zusammen,
den er beim ersten Anlaufe niederschmettert. Bis auf
das Kinn spaltet er dem tapferen Bitter den Schädel.
Als er den edlen Toten zu seinen Füßen liegen sieht,
ist ihm seine Tat leid. Er rühmt die guten Eigen-
schaften des Gefallenen, dessen Seele er weinend der
Gnade Gottes des Schöpfers empfiehlt* Gerin hat das
Ende Malvoisins mit angesehen- Schimpfend dringt
er auf Yonnet ein, der unter den Feinden wie ein
Todeqengel wütet. Zum zweiten Male messen sich
die Helden im Zweikampfe. Sie sind einander voll-
kommen gewachsen, keiner gewinnt Oberhand über
den andern. Da ruft Gerin seine Ritter herbei, denen
er sein ganzes Hab und Gut für den Fall verspricht,
daß sie Yonnet lebend in seine Hände liefern. Über
300 Verwandte Fromonts stürzen sich auf den Jüng-
ling, der sich wie ein Löwe verteidigt, obwohl er aus
mehr als 15 Wunden blutet. Einer solchen Übermacht
Digitized by v^ooQle
muß auch der Tapferste und Stärkste auf die Dauer
unterlegen. Im Augenblicke der höchsten Not kommt
ihm Amaureis mit 1000 Rittern zu Hilfe. Es gelingt
dem tapferen Herzoge von Dijon zwar, seinen jungen
Freund zu befreien, er selbst fällt aber in dem wilden
Handgemenge. — Der Tod seines Verwandten bringt
den schwerverwundeten Yonnet der Verzweiflung nahe.
Willig leiht der Entmutigte jetzt den eindringlichen
Bitten seiner Ritter Gehör und gibt den aussichtslosen
Kampf auf. Grollend zieht er mit seinem Heere in
die Mauern der Stadt Arras zurück.
Kapitel XV. König Gerin bleibt als Sieger
auf dem Schlachtfelde. Unter welchen Verlusten hat
er aber seinen Erfolg errungen! Seine nächsten Ver-
wandten, seine besten Freunde haben ihr Leben lassen
müssen. Graf Hernaut liegt tot auf dem Wahlplatze,
neben ihm der tapfere Malvoisin. Tiefbetrübt läßt
Gerin die beiden Leichen nach Lens in den grossen
Dom bringen, wo ihnen die letzten kirchlichen Ehren
erwiesen werden. Die Ritter und Bürger der Stadt
weinen in aufrichtiger Trauer um die Edlen. — Unter
den Klagenden befindet sich auch Dame Ludie. An
der Leiche ihres Ehegemahls bricht sie bewußtlos
zusammen. Der Anblick des Toten wirkt nieder-
schmetternd au f & e Schuldbewußte und giebt ihrem
Übermute den letzten Stoß. — In König Gerin er-
wacht von neuem der Haß gegen die Anstifterin alles
Unheils. In wilden Flüchen verwünscht er sie in die
HöHe, die den Tod der edelsten Helden, den Unter-
gang der Blüte der kriegerischen Jugend auf dem
Gewissen hat! An Ort und Stelle übt er Justiz an
der Verräterin,, indem er ihr mit dem Schwerte das
Haupt spaltet. Dann wird sie an der Seite ihres
Gatten beigesetzt. — König Gerin begiebt sich in das
2 *
20
Schloß, wo er Lowis zu sich kommen läßt. Um den
Schrecken des Krieges, die genug der Opfer gekostet
haben, ein Ende zu machen, redet er dem Jünglinge
gehörig ins Gewissen. Er fordert ihn auf, Yonnet
die Hand zur Versöhnung zu bieten. Widerstrebend
giebt Lowis schließlich zur großen Freude der Barone
dem Drängen seines Onkels nach.
Kapitel XVI. Gerin entsendet einen Gesandten
nach Arras an Yonnet. In geziemender Weise begrüßt
der Bote den jungen Fürsten und teilt ihm den Zweck
seines Kommens mit. Er berichtet, daß Lowis sich
demütig unterwerfen will und geneigt ist, Abbitte zu
tun. Yonnet giebt seinem Erstaunen über diese Mit-
teilung Ausdruck. Wie soll er mit dem Manne Frieden
schließen können, der seinen Vater ermordet hat und
dessen Verwandte ihn in der Feldschlacht seiner
besten Freunde beraubt haben? Der Bote bittet ihn,
nicht nur an die Toten zu denken, sondern vor allen
Dingen den Lebenden gerecht zu werden. Auch Lo-
wis habe bittere Verluste zu beklagen, zumal Gerin
ihm die Mutter getötet habe, um den Tod Gilberts zu
rächen. Durch diese Mitteilung wird Yonnet versöhn-
licher und dem Frieden geneigter gestimmt, zumal
eine Fortsetzung des Kampfes für ihn von recht
zweifelhaftem Erfolge sein würde, da sein Heer durch
die starken Verluste sehr geschwächt war. Er entläßt
daher den Boten mit dem Aufträge an König Gerin,
ihm zwecks Abschluß des Friedens entgegenzukommen.
— Hocherfreut vernimmt Gerin die willkommene Bot-
schaft und bricht sofort mit Lowis in Begleitung von
einigen Bittern gen Arras auf. An dem Berge la Go-
helle machen sie Halt. Von hieraus können sie schon
in der Ferne Yonnet und seine Bitter erblicken. Gerin
gibt seinem Neffen die nötigen Verhaltungsmaßregeln.
Digitized by
Google
21
Auf sein Geheiß steigt Lowis von seinem Rosse ab und
entkleidet sich völlig bis auf das Hemd. In die rechte
Hand nimmt er das blanke Schwert. Als Yonnet her-
annaht, geht er ihm entgegen und wirft sich ihm zu
Füßen nieder, sich ganz in die Gnade oder Ungnade
seines Verwandten gebend. Mit tränenden Augen, ein
Bild des Jammers, bittet er um Verzeihung. Yonnet
wird durch den Anblick des sich Demütigenden so ge-
rührt, daß ihm die Tränen die Wangen netzen. Er
steigt gleichfalls vom Pferde ab und geht mit offenen
Armen auf Lowis zu, ihn herzlich umarmend und
küssend. Es ward alles vergeben und vergessen, was
sie einander Leids getan: der Friede war wiederher-
gestellt. — Yonnet bittet bei dieser Gelegenheit Gerin
um die Erlaubnis, die Leiche des Königs Anseis vom
Schlachtfelde holen zu dürfen, um sie nach Lens zu
bringen und ihrem Stande gemäß mit allen könig-
lichen Ehren in dem Dome beizusetzen. Gerin gibt
seine Zustimmung und verspricht ihm ein ehrenvolles
Geleit.
Kapitel XVH. Nach dem Friedensschlüsse
kehren alle Beteiligten in ihre Heimat zurück. Yonnet
zieht mit den Seinen nach Köln, da ihm durch Erb-
folge die Besitzungen des Königs zugefallen sind. —
Gerin verläßt, einer göttlichen Eingebung folgend,
seine Heimat, um in einem fernen Lande den Rest
seines Lebens Gott und dem Heile seiner Seele zu
widmen. Er ist des ewigen Kriegführens müde ge-
worden und will nichts mehr mit der Welt und ihrer
Schlechtigkeit zu tun haben. Niemals wieder, so hat
er geschworen, will er sich in die Angelegenheiten
seiner Freunde oder Verwandten mischen. In einem
großen, an einem Meere gelegenen Walde nimmt er
seinen Aufenthalt und beschließt, hier zu leben und
Digitized by v^ooQle
22
zu sterben. Nachdem König Gerin ungekannt und
allein in der Einsamkeit eine geraume Zeit gelebt hat,
greift ein merkwürdiges Ereignis von neuem entscheidend
in sein Leben ein. Eines Nachts hat er einen wunder-
baren Traum. Ein Adler steigt zu ihm aus den Lüften
herab, der ihn auffordert, am nächsten Tage sich nach
Köln zu begeben und sich dort verkleidet unter das
Volk zu mischen: Wunderbares würde er schauen!
Gerin tut, wie ihm geheißen, und macht sich, im Ge-
bete gestärkt, auf die Reise nach Köln, in diesen
Mauern mittlerweile von neuem der Kampf entbrannt
ist. — Die Ursache des neuen Zwistes ist folgende:
Lowis beschließt eines Tages, mit seinen Rittern
seinen Vetter Yonnet, den er seit langem nicht mehr
gesehen, in Köln zu besuchen. Hier trifft er mit den
Mannen Yonnets, die gerade von der Jagd kommen
und ihrem Herrn vorangeeilt sind, auf einer Brücke
zusammen, wo es zu einem Gedränge zwischen den
beiden Parteien kommt, das schließlich in ein Hand-
gemenge ausartet, in dem ein Knappe Yonnets getötet
wird. Es entspinnt sich ein wilder Kampf, ohne daß
sich die Gegner erkennen. Lowis hat besonders
schwere Verluste zu beklagen. Um das Verderben
von den Seinen abzuwenden; besteigt er sein Schlacht-
roß und stürzt sich selbst in die Schar der Feinde,
unter denen er schrecklich wütet. Mittlerweile kommt
auch Yonnet von der Jagd zurück, der, sobald er von
dem Kampfe mit den Fremden hört, gleichfalls tätig
eingreift, jedoch hinterrücks von einem der Mannen
seines Vetters erschlagen wird. Tiefbetrübt vernimmt
Lowis die Nachricht von dem unglücklichen Ende des
Tapferen, sich selbst verfluchend. Um der Rache der
in ihrem Schmerze rasenden Feinde zu entgehen, ent-
Digitized by
Google
23
flieht er nach Metz, wo er, ohne sich zu erkennen
zu geben, bei einem Bürger Quartier nimmt.
Kapitel XVIII. Gerin war zu der Stunde in
Köln, als Yonnet den Todesstoß erhielt. Jammernd
beweint der edle König den Tod des geliebten Jüng-
lings, des letzten Lothringers. Er schwört Lowis,
in dem er den Urheber dieses neuen Verbrechens
sieht, Rache. Mit seinem Leben soll der Friedens-
störer seine Frevel büßen, damit endlich wieder Ruhe
und Ordnung in das Land kommt. Nachdem Yonttet
am folgenden Tage feierlich und prächtig, unter der
Beteiligung der ganzen Bevölkerung beigesetzt worden
war, wurde grausame Justiz an dem Mörder geübt. —
Nach der Hinrichtung verläßt Gerin Köln und bricht
gen Metz auf, wo er an einem Freitage ungekännt
und verkleidet ankommt. Auf einem Hofe entdeckt
er Lowis, der neben einem schönen Pferde steht, dem
er Hals und Mähne streichelt. Nachdem Gerin sich ver-
gewissert hat, daß niemand ihn beobachtet, geht er
auf seinen Neffen zu und gibt sich ihm zu erkenneU,
indem er ihm zugleich furchtbare Anklagen und Vor-
würfe entgegenschleudert. Mit seinem Pilgerstabe
schlägt er ihn dann tot zu Boden nieder. Dann be-
steigt er das auf dem Hofe stehende Pferd und reitet
zum Dome der Stadt. Hier trifft er viele Bürger,
denen er den Verlauf der Streitigkeiten zwischen
Lothringern und Bordelesen vom Anfang bis zum
Ende erzählt. Er ordnet an, Lowis an der Seite des
Herzogs Hervis in St. Arnoulf beizusetzen. Desgleichen
soll die Leiche des Königs Gilbert von Ais nach Metz
gebracht werden, damit auch er in der Heimat seiner
Väter die letzte Ruhestätte findet.
Hiermit hat der alte Kriegsheld seine Mission
erfüllt. Er nimmt Abschied von den Bürgern und
Digitized by
Google
24
kehrt in vielen mühseligen Tagesreisen in den Wald,
von dem er gekommen, zurück. Kein Mensch kannte
seinen Aufenthaltsort. Niemals hat man wieder etwas
von ihm vernommen.
C. Quellenuntersuchung.
I. N, v: S, U, L.
Philipp de Vigneulle sagt zwar wiederholt (v 306a,
325a), daß er in seinen Mußestunden aus alten „istoires,
voullumes, livres et cronicques“ den Stoff zu seinem
Roman geschöpft und „au plus pres de la verite“ aus
Versen in Prosa umgegossen habe; er erwähnt aber
nicht, welche Fassungen des alten Lothringercyklus
er der Bearbeitung unterzogen hat. Für Hervis de
Mes hat ihm, wie Böckel nachgewiesen hat, die Hand*
schrift E oder deren Vorlage als Quelle gedient. Für
Yonnet kann dieselbe nicht in Betracht kommen, da
weder Handschrift E noch die ihr zunächst stehenden
Handschriften etwas Entsprechendes bieten. Auch die
E im großen und ganzen nahestehende Handschrift M
oder deren Vorlage kann Philipp nicht benutzt haben,
da deren Fortsetzung, wie Rudolph nachgewiesen hat,
auf der Redaktion S des Anseis beruht und wie diese
wesentliche Verschiedenheiten von Philipp de Vig-
neulle ’s Darstellung aufweist.
Eine Vergleichung Yonnets mit den uns erhaltenen
Handschriften der Chanson d’Anseis de Mes soll nun
zeigen, daß die Handschrift N oder deren Vorlage
seine Quelle gebildet hat.
Vom Anseis de Mes sind uns folgende Hand-
schriften bekannt:
L, Pariser Nationalhandschrift 24377 (La Vall. 60
oder 2728).
Digitized by
Google
25
TJ, Cod. Yat. Urbin. 357; Rom.
S, Pariser Nationalhandschrift 4988.
N, Pariser Arsenalhandschrift 181.*)
A, 3 Bruchstücke einer von P. Goffinet und Wilmotte
in Arlon (Belgien) gefundenen und von Prof. E.
Stengel 1895 abgeschriebenen Handschrift.**)
a, Pariser Arsenalhandschrift 218a.
b, Brüsseler Handschrift No. 9.***)
1. Nach v 306a waren der Ehe Hernauts mit
Ludie mehrere Kinder entsprossen, von denen aber
nur noch ein Knabe Lowey am Leben ist:
Le conte Hernault avoit heu. de dame Ludie sa ferne
plusieur anffans. De tout lezquelle ne luy avoit demoureis
pour tous hoirs que ung filz nommeis Lowey.
v schließt sich hierin genau an die Redaktion
N des Anseis de Mes 139d 36 an, die auch nur den
einen Sohn Hernauts, Loeys, kennt:
N: Mais de sa mort ne de son grant peril
Ne se prant garde Girbers li filz Garin
Du filz Hernaut qui estoit son cousin.
*) Abschriften der Handschriften S, L und N (sämtlich
von Herrn Oberlehrer Harff angefertigt) und eine teilweise Ab-
schrift von U (von A. Monaci für Prof. E. Stengel ausgeführt)
stellte mir Prof. Stengel für meine Untersuchung zur Verfügung.
**) Vergleiche die Notizen von A. Doutrepont in Le
Moyen-Agc 1889 n° 4 S. 79 fi. Das erste Bruchstück A 1 beginnt
L 1 52b 33, S 275a 1, N 177c 8; das zweite A s : L 156a 9, S 277c 33,
N 179a 20; das dritte A 3 : L 16la 1, S 28lb 22, N 181c 16.
A 1 und A 3 bilden Blatt 1 und 8, A J (ein Doppelblatt) Blatt 4
und 5 derselben Lage ein und derselben Handschrift. Da diese
Bruchstücke späteren Teilen des Anse’is angehören, haben sie
für die folgende Untersuchung kein weiteres Interesse.
***) Vergleiche zu a Feist’s Dissertation, die feststellt,
dass a auf der Version S beruht. Über b liegt noch keine
specielle Arbeit vor; diese Prosahandschriften kommen aber für
uns nicht in Betracht, da Philipp besonders betont, dass er nur
aus alten Reimdichtungen geschöpft hat f
Digitized by v^ooQle
26
39. Cil prist la guerre et commenga Pestril.
e 15. Li termes vint et li anz et li dis
16. Qae Chevalier velt fere Hernaut son filz.
Hemaut8 Boten sagen zu Girbert:
86. Et sa menez vostre filz Anseys!
37. Si le verra son chier filz Loeys.
S 164c 40 und L 2b 1 erwähnen vier Söhne:
Manesier, Loeys, G-erin und Richart. U fehlt mit dein
Anfangsblatte.
S: Lud i as ist sur *1* mul arragon,
IIII- fils ot ki moult biel enfant sont;
42. Ne maiß li doi sont petit valeton,
Li autre *11* sont grantiame glouton.
Li ainsnes filg Manesiers avoit non
45. Et Loeys l’autre rapieloit on.
L: Ludie avale de son mestre dognon,
•IUI* fius ot d’Ernaut le sien baron.
3. Li doi sont grant parcreil et glouton,
Contre lor pere vont cil a esporon;
Li autre doi sont petit valeton
6. Jumiel estoient d’une conjonction.
Avoec lor mere vont cil par le sablon,
Si los leva li rois de Mon-Loon
9. Et la roine a la clere fa$on.
Des IIII* fius Ernaut dirai les nons:
Li ainsnds tu Manesiers al cief blon,
12. Ains plus biaus enfes ne tu en tot le mon;
Et Loeis l’autre rapieloit on.
Des *11* jumiaus vous redirai les nons:
15. L’un apielerent Bicardet en sains fons,
Depar Ricart de Buem le baron,
L’autre Garin par non rapieloit on,
18. Si le leva Garins de Mongenson.
Man vergleiche ferner S 166a 28 ff., L 4c 33 ff.
und U 2b 5 ff.
S: „Signour“, dist eile, „vous convient esploitier,
Bichart menres a Lens ke j’ai moult chier,
30. Et Bi menrds Garin le droiturier
33. Aubert me dites mon baillieu et fevrier:
Mes enfans gart, car je Pen veul proiier!“
Digitized by
Google
27
L (U): „Amis biaus frere“, fefc eie, „entend^s $a!
Garin mon fil ct Ricart en menras,
A le roine en France t’en iras,
36. Mes *ir enfans a li si trametras.“
2. Nach S 164b 36 ff. und L 2a 12 ff. haben
Girbert, Gerin, Malvoisin und Hernaut an der Fahrt
nach St. Jago in Spanien, die mit der Ermordung
Fromondins endigte, teilgenommen. (U fehlt noch).
8: Ch’est apr&s Paskes en nne ronvison
Qne a Saint- Jake alerent li baron
38. Hernaus, Gerins et Gerbers li frans hons ....
44. II y (d. h.: un grant bos anchiien bei der Stadt
Moron, droit a Pentree d’Espaigne) alerent, si ont
trouve Fromon.
L: Li das Gerbers traist Fro mondin a fin
En Permitage, si con Paves o'i.
Et si i fn et Hernaus et Gerins
15. Et avoec ans li vassaus Mauvoisins,
Quant repairoient de Saint-Jame en Galis;
Et puis revinrent a Bourdele le cit.
Nach N war Hernaut nicht zugegen. Er erfährt
erst in Ais von der Ermordung seines Schwagers,
wohin ihn Gerbert entbietet.
N 139d 2: De Pampelune s’est Girbers departis ....
10. Tant ont ale li Chevalier gentilz,
Qu’il sont venu a Es celle fort cit ... .
21. Hernaut manda, et il tantost i vint ....
25. Et lor demande que il o[re]nt fet puis.
Et il ont dist: „Moult bien la dien rnercis ;
Que mort avons le conte Fromondin.“
28. Hernaus l’entent, moult joiant an devint.
Auch in v findet die erste Zusammenkunft in
Ais am Hofe Girberts statt. Hier teilt ihm Girbert
erst das Nähere mit:
v I 306a: Or avint ung jour que le dict Hernault ce tro-
wait [a] Ais en Gascongne a la court du roy Gilbert, et heurent
plusieurs devise ©nsamble touchant la mort de Fromondin.
„Par dien mon (806 b) biaulx nepueulx,“ ce dit Gilbert, „mainte-
nant avouns bien subjugues nous annemis. Or n’y ait plus que
28
de bien faire; car il n’y ait plus de tout le lignaige de Fromon
qui contre nous ce housait alever ne qui airme honsait arn-
prandre ponr nous faire ung desplaisir“ ....
3. Nach Hss. S und L (U fehlt) teilt Girbert
persönlich in Bordeaux seinen Freunden die Erleb-
nisse auf der Fahrt nach Spanien mit. Ludie ist zu-
fällig zugegen und erfährt auf diese Weise von der
Tat Girberts und dem Ende ihres Bruders.
S 164d 44: Gerbers s’en monte aus el palais plenier,
Ses amis fait venir et arengier.
A cel concel fu Ludie au vis fier,
47. Gerbers leur raoustre le mortel encombrier
165a 1. De Froinondin k’il ochissent l’autrier.
Si con Gerbers ot mande ses amis
3. Et il se furent de renc en renc assis,
„Signour“, dist il, „or oij6s mon avis!
Asseür estes, par foy le vous plevis;
6. Ne vous doutes ke jamais Fromondins
Vous tolle mais ki vaille -I* paresis! ....
10. Al repairier ke faisiens de Galis
Nous dist I* hons k’el bos de Mont-Elis
12. Ert *1- sains hons ki moult ert dieu amis.
Nous y alasmes, par foi le vous plevis,
Illeuk trouvasmes ke c’estoit Fromondins ....
24. La l’ocheime3 et si est enfouis.
Or pov6s estre mais asseür tout dis.“
0 le Ludie, li sans li est fu'is,
27. Pasmee chiet ens el palais voltis.
L 2d 29: „Ne vous moves, sire!“ Gerbers a dit,
„Je voel parier a vos *1* seul petit.“
Ens en la sale a mande ses amis,
Les Chevaliers ki sont de rice pris.
33. A cel conseil, signour, que je vos di
S’en vint Ludie ferne Hernaut le marcis ....
3a 3. „Or ascoutes, signor!“ Gerbers a dit,
„Vous vos doutes dou conte Froimondin.
Soi6s seürs, de verte le vous di,
6. Ne pora mais a nul jor revenir!
Nos le trovammes dedens *1* bos anti;
Hermite estoit, dieu servoit nuit et di ... .
Digitized by
Google
29
24. En l’ermitage, signor, l’avons ocis.
Si in Vit dieus, jou le feri issi,
Qae Ji cerviele devant ines pies cai.“ ....
35. Ludie l’ot, li sans li est fui’s.
Nach N und v erzählt Hernaut nach seiner Rück-
kehr von Ais seiner Gattin den wahren Sachverhalt:
N 139d 47 : A Gironville fu Hernaus li gentis
Et la contesse sa fame Ludiis.
Tot Perrement(I) que il avoit apris
50. Que mors cstoit son frere Fromondin,
Et IV ocis Girbers li filz Garin
e 1. Enz en la voie de Saint- Jaque en Galis
En Permitage ou moustier beneis.
3. Et quant Ludie celle parole öy,
De pasinison a la terre eha'i.
Au relever a gitd T* grant cri
6. Et tört ses poinz et moine grant essil :
„Fromondin frere, male non veile a ci.
Quant vos a mort Girbers li filz Garin,
9. Ja dieu ne place, qui onques ne menti,
Que soie soule de piment ne de vin,
Tant que Girbers li rois en soit honis.
12. Si sera il, se diex plet et je vis.“
v I 306b .... Puis apr&s qu’il heurent beu et maingeez
tout a leur aise, le conte Hernault print congiet du roy Gilbert
et ce mist en son chemin. Et tant ait chevaulchiez mont et
vaillez qu’il arivait a Lanz en Lanoy, la ou a cest heure cstoit
sa ferne Ludie; aucy y estoit Lowey son filz. La dame vint
adevent du conte Hernault son mary et moult grant joie en
fist. Mais moult triste et dollante [devint], quant eile sceut a
vray la mort de son frere Fromondin. Car ledit Hernault luy
comptait am privee toutte la veritd a vray de sa mort et coment
on l’avoit occis ou bois. De quoi Ludie cheut pasmee de doul-
leur et lui en fist le euer moult mal .... Mais nyant moins
quant eile poult revenir a sa parroile, ce print a doulouser
moult griefment en destourdant cez poing ces mains et en tirant
cez cheveulx et faisoit le plus grant dueil du monde. „Ha,
Fromon frere,“ fait eile, (307a) „quelle piteuse nowelle m’ait on
cy apourtez de vous! Helas, cellui qui vous ait aincy tueis il
monstre bien qu’il n’est pas mon amis, ne jay ne me doing
Digitized by v^ooQle
30
dien graice do moorir que premier n’en aye prins griewe van-
geance!“ „Et certes,“ dit eile, „aincy en advairait, ce a dien
plait“ ....
Nach S, L und U findet die Ausführung des
Verrates an Girbert in Bordeaux statt, nachdem die
Siegesfeierlichkeiten beendet und die Helden in ihre
Heimat zurückgekehrt waren. Nur Gilbert war zu
seinem Verderben noch länger am Hofe Hemauts zu-
rückgeblieben.
S 165c 45: Tant ont parle, ke jonrs est esclarcis
Et ke cascnns s’est cauchies et viestis,
Son oirre a fait leur atoumer Gerins;
d. Car il s’en veut raler en son päys
Veoir sa femme la biele Beatris.
3. Messe Fa cante ses capellains Tieris,
Apres la messe se sont as chevaus mis,
Congiet demande, a la voie s’est mis,
6. Et aveuk lni est ales Mauvoisins
A grant compaigne de Chevaliers gentis ....
11. Lairai de chians ki sont en leur päys,
Si vons dirai de Gerbert le marcis,
Ki a Bourdele sejourna *XV # dis.
Miens li venist ke il s’en fast partis,
15. Ponr revider sa femme et son päys ....
L 3c 23 : Li Chevalier Hemaut ont congie pris,
Si s’en repaire cascnns en son pais.
Gerins repaire ens el regne Anseis,
Od lni mena le vallet Malvoisins;
27. Grant joie en fait la biele Beatris.
A icel enre s’en departi Gerins
Del dnc Gerbert et Malvoisins ansi,
30. Qu’il ne le virent a nnl jour puis ce di,
S’en fnrent monlt li parent asonpli.
Sainte Marie roine genitrix,
33. Que ne s’en vait Gerbers en son pais
Veir sa ferne et son petitet fil!
De grant dolor fnst illnec escremis,
36. Mais ne pot estre, ne le volt Jesns-Cris,
d 1. Tot avenra quanque doit avenir.
Digitized by
Google
31
N und v verlegen den Schauplatz nach Lens,
wohin Hernaut zu Pfingsten seine Verwandten ein-
geladen hat, damit sie dem Ritterschläge seines Sohnes
Loeys beiwohnen. Nach beiden Handschriften sind
Gerin, Girbert und dessen Sohn Yonnet resp. Anseis
als Gäste Hernauts anwesend.
N 139e 15: Li termes vint et li anz et li dis,
Que Chevalier velt fere Hernans son filz.
D apela *11* mesages gentilz,
18. „Montez“, fet il, „sor les chevans de pris,
Et m’alez dire a Girbert mon cousin
Qu’a pentecoste sa me vaigne veir
21. Et si m’amaint le sien filz Anseys!
Si le verra mon chier filz Loeys.“
Et eil ont dit: „Tout a vostre devis!“
24. Lor sont monte, s’acoillent lor chemin.
De lor jornees ne sai conte tenir:
II sont venn a Terrasconne la cit.
27. La descendirent de lor chevax de pris,
Et sont monte sus le palais marbrin.
La ont trouve Girbert le filz Garin,
80. II le saluent, con ja porez o’ir:
„Cil damediex qui onques ne menti
II saut et gart Girbert et ses amis!
88. Salns vos man de Hernans li palazins,
Et son chier frere le riche roi Gerins
Qn’a pentecoste vos les venez veir
86. Et s’amenez vostre filz Anseys
Si le verra son chier filz Loeys
S’acointeront l’nn l’autre li conzin;
39. Fere le doivent, il sont chamex amis.“
Et dist Girbers: „Par ma foi je l’otri.
Ou iert la feste, savez vos dire amis?“
42. „Biax sire, a Lenz par dien de paradis;
C’est en Artois, car depar Ludiis
Est conte Hernans de la terre sesis.“ ....
49. Girbers manda la gent de son pais.
Venn i sont maint Chevalier gentilz.
Qnant sont ensemble, bien furent *XII*XX-
Digitized by
Google
32
f 1. Si ont chargie et argent et or fin,
Bliaus de soi[e] et paiJes et samins
3. Que il donront au[s] barons du pais:
Et par donner est maint home cheris.
A dien commandent la roi'ne gentilz,
6. Elle li donne le congie moult envis,
Elle se paume desor le raarbre bis.
Voit le Girbers, moult grant piti6 Pen prist,
9. Mest pie a terre du cbeval ou il sist,
Dont li besä et la bouche et le vis.
„Dame“, dist il, „ne plorez plus ainsi!
12. Vos me ravrez, se dieu plet et je vis.“
Va s’en Girbers et son filz Anseis,
Passent les terres et les amples pais.
15. De lor jornees ne sai conte tenir:
Tant ont ale au soir et au matin,
Vermandois passent, costoient Cambrisis,
18. Parmi Artois se sont li baron mis;
Deci a Lenz ne se sont alentis.
Et la nouvelle sus le chastel en vint
21. Que la venoit Girbers li filz Garin.
Encontre va Hernaus li palazins,
Lui et son frere le riebe roi Gerins ....
v II 307a .... Aincy ce paissait le tampts plusieurs journee
tant que le jour de la panthecouste ce aproicboit auquelle
jour voulloit Hernault tenir grant feste, come cy devent aves
öy. Et pour cest cause appellait ces messaigier pour envoier
en plusieur lieu, entre lesquelle il envoiait l’ung a Collongne
devers le roy Gerin. L’aultre il l’envoiait a Ays en Gascongne
pour mander a roy Gilbert qu’il vint a Lans a sa feste et qu’il
amenait Yonnet son filz. Alors montait le messaigier a chevaulx
et tellemant esploitait par ces jornee que a Ays en Gascongne
est ariveis la ou estoit le roy Gilbert qui triumpboit avec sa
ferne et ces amis. Cy le saluoit le messaigier, come bien faire
le s^avoit, et en toutte bonneurs et reverance il lui fist son
messaige de part le conte Hernault son maistre disant que le
dit son seigneur lui mandoit et prioit qu’il ce trowait a Lans
en Lainoy a jour de panthecouste proiebiens venant pour estre
a la feste et qu’il voulloit faire cbevalier son filz Lowey. „Et
pour ce, sire“, ce dit le messaigier, „vous fait pri'er mon dit
Digitized by
Google
33
seigneur que vous haiteis de y venir; et que ameneis avec vous
Yonnet voustre filz, cy ce aprandront a entrecongnoistre les
anffans; car il sont pairans et amis.“ Le roy Gilbert fut tres
joieulx de ces nowelles et promist au messaigier de ce partir
a lundemain et qu’il c’en yroit avec luy .... Alors ait mandeis
cez gens de tout coustez jusquez a nombre de *XX* Chevalier et
plusieur escuier et aultre gens et il y vinrent tres voulluntier
et de couraige. Cy aprestait le roy son herres, puis print or
et argent a voullunteis, paille de soie, airme et chevaulx et
plusieurs aultre riche baicgue et juaulx pour donner et des-
partir au prince, a duc, au chevallier et pour monstrer sa grant
lairgesse; car par donner on acquiert plusieurs amis. Alors
est monteis a chevaulx (307b) et print congiet de la royne sa
femme laquelle luy donnait moult envis; car de dueil qu’elle
en eust eile ne ce poult tenir droitte, ains cheut a terre toutte
pasmee et ne ce poult aultrement soubtenir. Le roy Gilbert
quant il la vit, il en print grant pitiet et dessandit de son
chevaulx, puis lui baisait la bouche et le visaige et moult
tandrement la confortait et dit: „Helas ma dame, pour dieu
conforteis vous ! Car a plaisir de dieu je retournereis briefment
et me revairais bien tost, ce je vis. ;< .... Or c’en vait Gilbert
luy et ces gens, et tant ont chevaulchiez par montaigne et
par valleez en passant le pais de Wermandois et costoiant le
Cambresin, puis sont paisses parmi Artois et tant ont chevaul-
chiez, qu’il vinrent a Lans en ung mattin. Et incontinant en
vinrent lez nowelle a preux Hernault et lui fut dit, coment le
roy Gilbert [venoit]. Dequoy il fut tout resjois et alors sont
monteis a chevaulx luy et son frere le roy Gerin ....
5. Das Motiv des Verrates an Girbert ist in allen
Handschriften dasselbe: Ludie will für die Ermordung
ihres Bruders Fromondin blutige Rache nehmen.
S 165a 28: Et quant revint, si a gete -II* cris,
„Gerbers“, dist eile, „ke es cou ke tu dis?
30. Fromondins est sire de cest päys,
Terres et fies vous avoit relenquis
Et si s’estoit el serviche dieu mis
33. Pour garir s’ame et les nuits et les dis,
Ne vous ne autres de vos carneus amis
Ne fust de lui jamais nul jour laidis ....
41. Hui main esttäs *1* de mes boins amis,
3
Digitized by v^ooQle
34
Or estes vons raes morteus anemis
Et seres mais dusc’al jour del ju’is;
Se jamais puis, ne en fais ne en dis
45. Par nes I* art n’en estorderes vis ....
L 3a 86: *111* fois se pesme, ne s’en pot atenir.
b. Au redrecier oi6s que eie dit:
„Sire Gerbers, por coi l’as tu ocis?
3. De par mon pere n’avoie plus d’arnis,
Ne plus de freres germains de tot mon lin ....
13. Or Paves rnort el euer de son pa'is,
Et si s’estoit el deu siervice mis,
Toi ne autrui ne voloit mais nuisir,
16. Angois voloit ses peci6s espanir ....
26. Mais or es tu mes morteus anemis,
Le plus proudome par foit av6s ocis ....
31. Ce poise moi, si m’ait Sains Sevrins ....
Für N und v sind die vorher unter 3 gegebenen
Textproben maßgebend.
Die unmittelbare Veranlassung zur Tat giebt
nach S die Mißhandlung Ludies durch Girbert vor
dem Kloster Saint Meurice:
165d 24: T* jour ala au moustier Saint Meuris
Pour oir messe, si con dist li escris.
Quant li Services fu cantes et finis,
27. Si s’en repaire par le palais vautis.
Gerbers le voit, a l’encontre s’est mis,
Pais li requist, et en fais et en dis
30. De l’amendance s’est del tout sur li mis.
Et eile jure Saint Pol et Saint Denis
Que tous jours mais sera ses anemis
33. Et volentiers li fera encor pis
Que n’ot ses freres, quant li bers Pot ochis.
Gerbers l’entent. a poi n’esraige vis,
36. Traite a l’espee, (si) Pa par les caviaus pris.
Ja li trenchast le tiest, ce m’est avis,
Quant le rescoust Foukerös li petis
39. E bien *1111* autre ke eile avoit nouris.
Gerbers en fu courechies et maris.
Ludie entflieht in ihre Kammer, wo ihre Söhne
Digitized by
Google
— ä5
sie bluttriefend, mit zerzausten Haaren finden. Sie
schwören dem blutige Rache, der ihrer Mutter dies
Leid angetan hat. Ludie weiss die erregte Stimmung
ihrer Söhne zu benutzen und überredet sie, den Mord
an Girbert zu begehen. —
L differiert insofern, als hier die Scene vor dem
Kloster St. Meurice fehlt und Ludie sich selbst der-
artig zugerichtet hat, um ihre Söhne durch die falsche
Angabe, Gerbers habe sie mißhandelt, zur Rache an-
zuspornen. Ob U diese Abweichung mitmacht, läßt
sich nicht entscheiden, da die betreffenden Blätter in
der Handschrift fehlen.
L 3d 2. : Avoec Hernaut est Gerbers demor^s,
Miens li venist qne il s’en fust ales
A Terrasconne dont estoit rois clames ....
8. *1* jor ala Hernaus pour deporter
9. Dales Bördele ens en un bos ramd ....
18. Ens en la sale est Gerbers demores,
As eskids jue ann conte Guimer.
15. Hom iert Hernaut le cevalier membre
De par Ludie la dame od le vis der
Ki en sa cambre mainne *1* dol si mortel,
18. Nns hom de car ne le puet conforter.
Parmi la sale es vons *11- bacelers,
De Geronvile vienent de deporter!
21. C’est Manesiers et Loeis li ber *
Li fil Ernaut qu’il ot ains engenrä
Ki ont lor pere el palais demande.
24. Gerbers lear dist qu’il ert cacier al6s
Parmi les Landes de Bördele sur mer.
Ens en le cambre sont li enfant tournd,
27. En malvais point ont lor mere trove
U eie saine et par bouce et par n6s,
E8kievele[e] ses ceviaus a tir6s,
80. Moult poi s’en faut que n’a le sens müA
Pasmee estoit caüe(?) sor -I* piler
Qn’en -IIII* lius en fist le sanc voler.
33. Manesiers voit sa mere ensanglente ....
3 *
Digitized by Google
36
4a 1. Dist Manessiers: „Dame, l’aissi^s ester! ....
6. Mais dites nous vo euer et vo pense!
Et nos ferons toute vo volenti ....
12. Car cou est drois, diex le dist par vertd,
C’on doit sa mere sor tote rien amer
Et essaucier siervir et honorer.“
15. „Fius“, dist ii mere, „moult aves bien parlA
S’ensi le faites, cum avds devise,
Ains que jou muire, sacids de verite,
18. Ferai de vos cascun roi corone ....
30. Par teil maniere que vos m’afierds
Que de vo oncle Gerbert me vengerds
Ki m’a batu, laitdit et ramprosne ... .“
N und v erwähnen nichts von einer Mißhandlung
Ludies. In beiden Handschriften gibt der Streit
zwischen Lowis (Loeys) und Yonnet (Anseis) auf der
Falkenjagd den unmittelbaren Anlaß zum Morde.
Ludie versucht zunächst vergebens, ihren Sohn
Loeys durch Hinweis auf die ihrem Geschlecht© durch
Girbert zugefügte Schmach zum Morde zu überreden.
N 139f33: „Filz“, fet Ludie, „entendez envers mi!
J’ai si grant duel, a poi que ne nerci,
Que saiens est me mortel anemi
Qui t’a occis ton oncle Fromondin
En l’ermitage ou moustier benei
Et ton linage a tot mis a declin.
% Mais se tu veus ouvrer a mon plesir,
Vengier poras toz cex qui sont occis.
Moult grant honor i avront ti ami,
Se tu l’ocis ou son filz Anseys.
v 307b H: .... „Ha Lowis“, dit eile, „mon chier anffans,
antans ycy a mes parrolle et les rethient en ton couraige! Tu
sces que je suis ta mere a laquelles tu dois obeissance. Or ais
en mon euer tant de dueille et de doulleur, que a pouc ne me
fant en deux, quant ycy presant je vois mes annemis mortel qui
m’ont destruit tout mon lignaige. Et fault qu’il soient encor
les plus honnoures et servis. Je lez heis tous [et] veult bien
que tu le saiche [que je ne lez puis resgarder]. Et par especialz
le roy Gilbert lequelle ait mort [et] tueis ton chier oncle Fro-
mondin en l’airmitaige dedans le bois. Et ton lignaige ait tout
Digitized by v^ooQle
37
gaistes et destruit parquoy nous avons cause de le hai’r. Mais
ce tu veult, dit [la faulce femme], faire a mon plaisir, tu pourrais
vangier ce dessonneur et estre cy vaillant et vertueulx, que par
toy serait (308a) tout honnoureis ton liguaige ressouhauciei et
remestre(!) en value; [et serait ce fait] par la raort du roy Gilbert.“
Loeys weigert sich entschieden, die verräterischen
Absichten seiner Mutter auszuführen. Er kehrt in den
Saal zurück und verabredet mit seinem Vetter eine
Falkenjagd.
N 140a 11.: Ez par la sale le petit Loeys
Li filz Hernaut dont vos avez o'i!
II en apelle son cosin Anseys
Li filz Girbert li prex et li gentilz,
15. „Cosins“, dist il, „entendez a mes dis,
Montons es seles des destriers arabis,
S’irons jouer sor l’yave de Torin!“
18. Dist Anseys: „Cousins et je l’otri.
La fors irai jouer aveques ti.“
Lors sont montez sor les chevax de pris,
21. Et sor lor poinz ont lor oisiax assiz.
Li ostagier avec eus se sont mis,
Jouer en vont vers l’iave de Seclin,
24. Li damoisel a tabourer ont pris;
Et Anseys a le sien avant mis
Li filz Girbert qui moult estoit gentilz,
27. Ne falli pas, -I* malart abati,
Trestous ses ongles li fet en char sentir.
Voit l(e)’ Anseys, toz joianz en devint,
30. II en apelle son cosin Loeys:
„Cosins regarde por dien de paradis,
Con cel oisel par est or enchamis!
33. La moie foi loiaument vos plevis
Que li parages Fromont le posteis
Et Loherain sont si entrecharnis,
36. L’un contre l’autre et ont est6 toz dis.“
Loeys Pont, a pou n’enrage vis.
Lors a parl&, lors commen^a Pestris
39. Et la grant guerre qui puis ne pot fallir
„He glous“, dist il, „tu soies maleis!
Com par fus ores et osez et hardis,
38
42. Que ton oisel desor le mien meis;
Que ton lignage certes ne le doit mi.
Ton aieul fu li Loherains Garins,
45. Riehes d’avoir, mais pou avoit arnis;
Tant en donna au barons du pa’is,
Que il fist fere le chastel de Beim.
48. Hernaus mon pere et mon oncle Gerins,
Girbers ton pere et li dus Mauvoisins —
Tout ton lignage a T* mot te di ci —
51. Ne sont que Till*, que on le set de fin.
b 1. Mais mon lignage fu adäs de grant pris,
Mon aieul fu Fromons li posteys
15. Mais tu qui es povres dolanz chetis?
S’or estoit mors Girbers li filz Garin
Ton pere sol que tu par aimes si,
18. Tu n’avroies ne parent ne ami
Qui plus t’aidast ta guerre a maintenir.
Outre la mer te covenroit fouir
21. En autrui terre comme povres chetis.“
Anseys l’oit, a mervelles li vint,
Puis li respont, con ja porez oir:
24. „Sire cozins“, dist il, „entendez mi!
Se je vos ai ne meftet ne mesdit,
Prenez l’oisei s’en fetes vos devis,
27. Ne movez guerre por dien de paradis;
Que a toutenz i pories vos venir!“
Dist Löyset: „Tu n’es pas mes amis;
30. Car par ton pere fu occis Fromondins.“
Anseys l’oit, hautement respondi;
Qu’il ne pot plus son corage covrir:
33. „Fel glous purlent, diex te puist maleir!
Que le lignage que tu as nomme ci
Ocist le mien, que on le set de fi.
36. Et ces paroles que tu avant tresis
Comparas tu, se diex plest et je vis.“
L’oisei bucha et li oisäs revint.
39. Miex li vausist que il s’en tust fouis;
Que par les eles li damoisiax l’a pris,
En haut le lieve, aval le let venir,
42. Parmi le ebief en feri Loeys,
Que les esplumes li fet du cors partir,
Et la bouele li fet du cors chejr.
Digitized by
Google
39
45. Sanglente en ot et la bouche et le vis.
Loeys le voit, a pou n’enrage vis,
Mestent les mains a leur branz aserins,
48. Et ja se fussent vergonde et honis.
Les ostagier se sont entre II* mis,
Et Loeys a pou n’enrage vis,
51. De la s’entorne sor son cheval de pris.
c. 1. II ot sanglente et la bouche et le vis,
Et fu rompus ses bliaus de samis,
Son chief en cuevre, puis s’est a voie mis,
De ci a Lanz ne ci est alentis ....
v 308a III : . . . Alors Lowis le filz Hernault ait appelleis
Yonnet son cousin. „Mon cousin“, dit il, „antandes scay: Mou-
tons nous deux a chevaulx et nous allons esbaitre sus la rivier
ou dessus une yawe c’on appelloit Sorclin!“ „Vraiement, sire
cousin,“ dit Yonnet, „je vous en remercie et suis contant d’aller
esbaitre avec vous.“ Alors ont monteis a chevaulx lez deux
anffans et prinrent leur oysiaulx dessus leur poing, cy ce mirent
en chemin et plusieur escuier avec eulx qui leur tindrent com-
paignie. Cy c’en vont chevaulchant ensamble jusques il vin-
rent dessus cest’ yawe de Seclin. Adoncque menoient les jou-
vanciaulx grant bruit et grant noise en tanbourant et huttinant
de joie qui estoit en eulx. Lors tenoit Lowis le filz Hernault
son oysiaulx dessus son poing, puis avoit aprestes ung aultre
oysiaulx des le mattin lequelle, comme le mest la vraie istoire,
jectait en l’air pour le faire prandre au siens; mais il faillit.
Yonnet estoit presant lequelle, c’en panser a nulz malz, laissait
ailler le sien oysiaulx et ne faillit pas a prandre sa proie. Ains
print ung mireus et tellemant l’abaitit, que lez oncqle lui fist
antrer dedans la chair et le tenoit sougest soubz luy. Parquoy
] Yonnet en fut joieulx, mais] Lowey en olt grant dueil et c’en
esmust tres fort en yre [dont] avint cy grant malz depuis, qu’il
n’est possible de le vous dire; car de fellonnie qui fut en
Lowis [il congut et] par envie de cest oysiaulx bien orguilleuse-
ment ce print a dire: „Ha glout“, [ce] dit il, „que dieu vous
envoie’ malle sante“ ! [Mais] coment fustes vous or cy ouseis ne
oultrecnidiez que ton oysiaulx ait mis le miens audessoubz?
Certes ton lignaige n’est pas digne de ce faire, ne congnissoit
on pas bien ton grant peire le Lourain Öuerin lequelle estoit
tant riche d’or et d’argent qu’il n’estoit a nombrer ny a dire.
Mais il estoit powre de pairans et d’amis; car ce fut par son
Digitized by v^ooQle
40
avoir qu’il donnait (308b) tant a prince et a Chevalier, qu’il fist
fermer en Bourdellois plusieur chaistiaulx, entre lesquelle il fist
fermer le chaitiaulx de Bellin, la Vauldorre et Montesclab . . .
En ce faisant estoient seulleraent le conte Hernault mon pere
et mon onele le roy Gerin paraillement le roy Gilbert ton pere
et le conte Malvoisin. Et qoant on lez out bien comptA, en tout
ne sont que quaitre [ou V], Et est ton lignaige enthiere que je
t’ais ycy nommeis. Mais, dit il, c’est [tout] aultre chose du mien
de part ma meire ; car il y avoit tout plain de gens couraigeux
et hairdis. Premier y estoit mon grant peire Fromont ....
Mais toy, fait il a Yonnes [qui es tu]? Tu es ung [freuseus] chaitif
et malheureux; car ce ton pere le roy Gilbert estoit mort, tu
n’averoie amis ne pairans qui te aidait a maintenir ta guerre,
ains te cowiendroit fowir comme ung chetif oultre la mer pour
te salver en aultre terre.“ Alors qu’il olt aincy preschi^s et
qu’il olt dit asseis d’injures a Yonnet, il respondit moult doul-
cement; car euer debonnaire est jantilz a tousjour ne jamaix
ne peult mantir. Et pource replicait en cest sorte [et dit]: „Cou-
sin“, dit il, „entandes scay! Je vous prie ou non de dieu que ne
soiez cy malcontant; car ce je vous ais ne meffait ne mesdit,
je vous en crie merey a joincte mains, et avec ce preneis mon
oysiaulx et qu’il soit voustre, ne n’esmoweis guerre pour cy
peu de chose, je vous on prie pour dieu! Car a guerre peult on
bien tousjour venir.“ Et apres co dit et qu’il sc’eut esseis hu-
milliet, voiant aucy que Lowis ne ce laichoit point de son cou-
raige, il ce esmeust fort en courrous et luy montait le sanc au
visaige, [puis dit]: „He glout“, fait il, „[et] que dieu te puist
maldire! [Mais] ton lignaige et le mien [n’esse pas] tout ung? [Cy
est] au moins de part ton pere; [et] au contraire lez traistre
que tu ais ycy nommeis ont occis mez parans. Et le mien lig-
naige ait tout destruit le tien. Mais par dieu lez pairolle que
tu m’ais ycy reprouebiez une fois lez acomparrais chierement
voir, ce je vis et dieu m’en doinct la graice.“ Alors reappellait
son oysiaulx et il vint incontinant, [combien que] il wausit mieulx
pour luy qu’il ne lut pas retourneis; car a plus tost qu’il le
thint, yl le print par les deux elles, cy le levait en hault et de
toutte sa puissance en donnait cy grant copt dessuz la fasse au
dit Lowey, qu’il fist saillir lez plume hors de la chair; et cre-
vait [au dit oysiaulx] le euer et la pance tellement, (309a) que
du sanc qui sortit d’icelluy oysiaulx en avoit Lowis la faisse
toutte ansanglanteez tant le neis la bouche comme le visaige.
Digitized by
Google
41
Dequoy il cuidait anraigier d’ire et de courous qu’estoit en lui.
Lors mectent les mains a leur espees, et jay ce fussent vergong-
niez ou tues, ce n’eussent estez leur escuier et serviteur qui ce
mirent entre deux et a bien grant paine lez despairtirent. Et
adoncque incontinant ce pairte Lowis d’illec et tant que chevaulx
l’en poult pourter retournait devers la ville. II avoit cowert
son visaige de son mantiaulx, ne ne laichait jamais le courre,
jasques qu’il vint a Lans apres sa meire.
6 . Die Ermordung Girberts geben nicht alle
Handschriften übereinstimmend wieder. S 166d 12 ff.,
U 2d 28 ff. und L 5c 10 ff.*) berichten wie folgt:
Hernaut ist mit seinen Mannen auf die Jagd ge-
gangen. Girbert ist allein im Saale zurückgeblieben.
Nachdem er eine Zeit lang mit einem der Mannen
Hernauts Schach gespielt hat, ist er von Müdigkeit
überwältigt neben dem Schachbrette eingeschlafen.
Manesier und Loeys schleichen in den Saal und töten ihn.
S 166d 29. Atant es vos le varlet Manesier,
E Loey ki li vient par derier,
Encoraigiet de Fromondin vengier
Par le dyable qui mal veut essauchier!
38. Manesiers prist a *11* mains l’eskiekier,
A lni le sake e li roys Gerbiers chiet
Agenillous ens el palais plenier.
36. Deffyet a son oncle le guerrier,
Encontremont a hauciet l’eskiekier.
Si con Gerbers se caida redrechier,
39. Sur le soureil si dnrement le fiert,
Ront li la char, frosse le hanepier ....
44, E Loey 8 parmi le pis le fiert,
Le grant coutiel li fait el pis baignier . . .
Die einzige Zeugin des Verbrechens ist eine alte
Frau, die im Saale gerade zugegen war. Sie berichtet
Hernaut das Geschehene.
*) Ich werde mich bei Textangaben von hier ab auf Proben
der Hss. S, N und v beschränken, L nur bei bedeutenden Ab-
weichungen berücksichtigen.
Digitized by
Google
42
N und y weichen in der Wiedergabe dieser Scene
von S, U und L ab. Zunächst befindet sich hier
Gilbert nicht allein im Saale, sondern in der Mitte
seiner Freunde und Anhänger, in deren Gegenwart
sich das Verbrechen vollzieht. Während alle dem
Vortrage eines Spielmannes lauschen, erschlägt Loeys
seinen Onkel Girbert.
N 140c 85: *1* jougleor ot sa viole pris
Qai lor viole sus le palais antis.
A lui estoient li baron ententis . . .
40. Or escoutez que fet tandis Löys!
Par derrier vint comme murtriers tapis,
•r eschequier coiement avoit pris.
Lors vint derrier Girbert le filz Garin,
Amont le lieve aval le let venir,
45. Parmi le chief en va Girbert ferir,
Le test li ront sanz nes *P contredit,
Que la cervele li a fete boulir.
48. Girbers chiet mors sus le palais marbrin . . .
v. 809a IV: Ulec presant estoit (309b) ung violleus ou ung
jugleus lequelle faisoit plusieurs esbaitement et chansons sus sa
vielle, chose cy doulce et chansonnette et las d’amour cy nowi-
aulx, que c’estoit chose melodieuse de le öyr. Et de la doulceur
d’icellui son lez prince et lez seigneur du pa'is y prenoie ung
singullier plaisir Mais Lowis avoit aultre pansee; car a Peur
qu’il le vit plus amuser [a jeu] il vint tout doulcettement par
derrier et print son espees a deux mains, laquelle il levait en
hault et la ravaillait ung cy grant copt sus la teste a roy
Gilbert, qu’il luy fandit en deux moitiet et luy espandit la
cerveile en terre.
7 • Wie aus dem Vorhergehenden ersichtlich ist,
lassen N und v Gilbert auf der Stelle sterben. In S,
U und L wird er zwar tötlich verwundet, erwacht
aber mehrere Male für kurze Zeit aus der Ohnmacht
und unterhält sich mit einer alten Frau, die bei dem
Attentat zugegen Var. Cf. L 6a 1 ff. und U 3b, 6 ff.
S 167a 25: Or vous dirons de la viele moullier . .
29. A Gerbert vint ki gist sur le planchier,
Digitized by v^ooQle
43
Si li drecha encontremont son cief,
Tant ke li bers de pasmisons revint . . .
36. Li roys Gerbers de pasmison revint,
Son fil regrete le petit Anseis ....
44. „Clarisse biele au gent cors eskavi,
Hui perdräs vous vostre carnel ami,
No me verres jamais a nes *1* di!“ . .
b 1. Dont se repasme del dolour ke senfci.
La viele pleure, quant Gerbert ot öy.
Gerbers revint vers dien ses mains tendi:
„Glorieus sire, ayes de moi merchi!
Que ne perdds m’ame, je vous en pri“ . . .
12. Gerbers se pasme et menu e souvent ....
16. Confession demande moult souvent . . .
19. „Dame“, dist il, „pour dieu omnipotent
Tous mes pekies vous dirai err amment.“ . .
25. Tous ses pechies li conta erramment
De chief en cief, ke n’i laissa noient . . .
c 7. Li dus Gerbers ot ces pecies jehis . .
10. La viele dame a apieler le prist:
„Sire Gerbers,“ fait eie, „dous amis,
Vous nous laissiös, certes che poise mi.
En quel moustier sire vaures gesir,
U a Bourdiaus u en autre päys
U maint vo ferne et vos fils Anseys?“
„Dame,“ dist il, „pour dieu a Saint-Denis
La u tout gissen t li mien carnel ami.
Jouste Bigaut, dame, soie enfouisl“
Ne pot plus dire; car li ceurs li menti,
L’ame s’em part et li cors s’estendi . . .
8, In S, U 3a 30 . . und L 5d 24 . . entfliehen
die Jünglinge nach vollbrachter Tat mit ihrer Mutter
und deren Anhängern nach Gironville, um sich vor
Hernaut „dem Gerechten“ zu retten.
S 167a 12: Tout *IH* s’enfuient e vuident le planchier,
Fourre encontrent et •XIIH* escnyers,
Del grant paraige furent Fromont le viel ....
19. Fors de la vile en vont bien *V* millier ....
22. A Gironvile en vont o Manesier.
N’osent atendre Hernaut le droiturier
Qu’il ne les faice detraire e escorchier ....
Digitized by v^ooQle
44
In N und v entflieht Loeys zu seiner Mutter.
Sie sucht seine Angst vor der Rache Yonnets zu be-
schwichtigen, indem sie darauf hinweist, daß Hernaut
und seine Verwandten durch die Bande des Blutes
gezwungen sind, ihm zu helfen.
N 140d 3: Dedenz la chambre a sa mere est fu’is ....
5. Voit le sa raere, a apeler l’a pris:
„Que as tu fet sire filz Loeys?“
„Mauvesement“, li danziaus respondi,
„Que je ai mort Girbert le filz Garin.
Helas dolant, il estoit mon cousin
Le plus preudome qui de mere soit vis!“
Et quant Ludie celle parole o’i,
Ou voit son filz, a conforter Ta pris:
„Ne t’esmaier, sire filz Loeys,
Que tu as moult et parens et cozins
De ton parage Fromont le posteis!
Et d’autre part je ne te doi mentir:
Hernuus ton pere ne te pora fallir,
Et si avras le tien oncle Gerin
Et ton cousin le bon duc Mauvoisin“ ....
v 309b IV : . . . . car il ce salvait dedans la chambre en
laquelle estoit sa meire [la faulce ferne] laquelle, quant eile
le vit, luy demandait dez nowelle et coment il avoit esploitiet.
„Par dien meire“, ce dit Lowis lequelle ce repantoit desiay,
„je les fait malvaisement“. „Coment“, dit eile, „mon affans?“
„Pour ce“, dit il, „car tueis votre annemis lequelle estoit le
milleur homme qui oncque mairchait sus terre et le plus ver-
tueulx [et saige] pour ung seigneurs Or m’en fauldrait
il mourir! Et certe je l’ais bien deservis, ne jay ne me doing
dien la graice que j’en puisse eschaiper en vie!“ Quant la
malvaise femme öyt aincy son anffans se complaindre et la-
menter, [eile] le print a reconforter [et dit]: „He Lowis, mon
filz, ne te esmaies pas aincy, car nous avons aisseis amis et
pairans pour resister encontre d’eulx. Et d’aultre part ton pere
c’est Hernault qui ne te fauldrait nullement, le roy Gerin cy
est ton oncle qui ne te abandonneras point pour lez servir,
pareillement le conte Malvoisin est ton cousin“ ....
Digitized by v^ooQle
45
9 • Nach S, U 5b 30 ff. und L 7b 35 ff. läßt
Hernaut den Abt von St. Sevrin kommen, der dem
edlen Toten die letzten kirchlichen Ehren erweist.
Nach den Trauerceremonien wird die Leiche im
Klosterkirchhofe beigesetzt.
S 168a 41: Dont a mande l’abbe de Saint-Sevrin, —
Jouste Bourdiaus li abbeye sist —
E il y vint volentiers non envi,
Moines o lui, ne sai u *V* ou VI*.
b 15. -I- riche drap ont desus le cors mis
Et si le font porter a Saint-Sevrin ;
Car la vauront le boin roy enfonir.
18. Chirons y font et encensiers venir
E si les font environ asseir.
Maint paliot e maint drap airtesi
21. Estendre i font, c’om si puist asseir,
Villier le font par Gautier et Landri
Des Chevaliers et des autres ausi
24. Qui s’en vont tout environ asseir.
Quant se departent, en yaus n’a ke marir
Desci au jour ke il dut esclarcir
27. Que se leva li abb6s par loisir
Et si se traist el non Saint Esprit
Vers le moustier u on puist dieu servir
30. Et dist c’on faice *1* prestre reviestir
Ki die messe pour Gerbert le marchis.
Apres la messe Palerent enfouir,
33. Jouste Rigaut en la terre gesir.
D’un riche marbre Porent bien fait covrir,
Les letres dient: „Li dus Gerbers gist chi.“
Nach N und v läßt Anseis (Yonnet) den Leichnam
seines Vaters auf Lanzen aus der Burg Hernauts her-
austragen und nach Terrasconne bringen. Hier wird
Girbert, um den das ganze Land trauert, feierlich
beigesetzt.
N 140f 42: Fora de la biere ont le roi Girbert mis,
Sor les espies Pont couchi^ par devis,
Les fers devant et les fus derrier mis ....
Digitized by v^ooQle
46
141a 2. Apräs le cors va Hernaus et Gerins.
Qnant Anseys voit son pere venir —
Desor les lances estoit contremont mis —
II le regreste, con ja porez o'ir:
6. „He Girbers pere, con male encontre a ci!
Hernaus t’avoit mande en ce pais,
Nos i venimes, peres, ce poise mi.
9. Par traison vos a mort Loeys
Li filz Hern aut qui estoit vos cosins.
Je n’en puis mais, par dieu, se poise mi!
12. Or vos venrai vengier en ce pais
A grant empire, se diex plet et je vis!“ ... .
b 6. Le cors enchargent qui sor les espiäs gist,
Et entor li avoit et duel et cris
Que font entr’ex li Chevalier gentilz
Qui regretoient Girbert le filz Garin ....
c 8. Passent les terres et les amples pais,
De lor jornees ne sai conte tenir:
Une abaie truevent en lor chemin,
De saint Michiel estoit, ce m’est avis;
12. La se hauberge le petit Anseis.
A *1* coutel a fet son pere ouvrir,
Tonte Tentraille en a il fet issir,
15. Devant Tantel la firent enfoir;
Le cors enbaument li Chevalier de pris.
A celle fois le leserent ainsi
18. Deci au main que il fu esclarci,
Le cors enchargent li Chevalier h&rdi,
Isnelement acoillent lor chemin.
21. Tant ont al6 li Chevalier gentilz,
A Terraconne sont venu li marchis.
Et la novelle en la eite en vint
24. Que Girbers vient qui est a tort ocis;
Grant duel en ont li baron du pais,
Au grant mostier ont le roi Girbert mis.
27. Qui dont veist la gent clergie venir,
Leur sautiers lire et ensenciers tenir ....
48. En terre ont mis Girbert le filz Garin,
Grant duel en ont li baron du pais!
v 810b V: . . . il ont bouteis le corps hors de la bierre et
l’ont couchiez a loing de leur espiet tont aincy comme Thierej
Digitized by
Google
47
leur devisait .... Et alors vont lez trois bairons, c’est assavoir
le conte Hernault le roy Gerin et Malvoisin apräz le corps tons
[en] plourant et gemissant et demenoient merveilleus dueil. Or
quant ce vint a l’aproichiez ec que Yonnet vit apourter ’son pere
hault esleveis dessus les lance, cy le regraitte et fait plussieur
complainte [et dit] : „He Gilbert mon chier (311a) peire, con malle
encontre nous alt ameneis en ce pai's ycy! Quant en traison
vous ait tueis Lowis le fault le desloiaulx, jay ce qu’il soit mon
cousin. Helas, fait il, je n’en puis may et m’est ung grief fais
a pourter; mais ce dieu me doinct la graice que puisse vivre,
je vous vanreis vangier ycy!“ . . , Alors rechairgirent le corps
sur leur espiedz autour duquelle y avoit grant pleur et grant
gemissement dez duc dez conte et Chevalier, et plouroit chacun
que c’estoit pitiet a öyr et regrettoient le bon roy Gilbert autant
qu’il fut esteis leur [propre] pere (311b VI) . . Et avec
/ ycellui corps ont taut chevaulchiez en passant mont et vallee
que a une abaihies sont ariveis laquelle estoit fondee de saint
Michiel et estoit ycelle cituees en leur chemin. Et illec sont
habergiet pour celle nuit. Puis durant ycelle le joune anffans
fist owrir le corps de son pere par le (312a) conseille de cez
amis, et touttes lez antraille en fist oster et devent le grant
autel y les fist enfowir. Puis ont fait ambaumer le corps et
le laissairent illec jusques le lundemains au matin. Lequelle
venus ont rechairgiet ledit corps comme [par avent] et tant
ont airreis et chevaulchiäs, qu’il sont venus a Terrasgogne.
Mais incontinant en fut la nowelle espandue par toutte la ville
et le pai's, parquoy fut grant dueil demeneis tant des grant
comme des petis. Le corps fut pouseis tout a millieu de la
souveraine eglise autour duquelle fut mis grant luminaire. Et
alors vinrent prieur et convers, prestre, chainoigne et plusieur
aultre religieulx, evesque prelas et abbe avec crois et ansancier,
et firent de l’onneur au corps en priant a dieu pour l’ame
autant qu’il estoit possible et que a l’estat reaulz apartenoit . . .
Et apr&s ce dit (d. h. nach den Worten Yonnets an seine Mutter)
fut le corps mis en la terre avec grant reverance et honneur
comme a son estat aparthenoit et avec aucy grant pleur et plains
lesquelle il faisoit moult piteux öy . . .
10 . Hernauts Verhalten nach der Ermordung seines
Freundes ist in allen Handschriften zunächst dasselbe.
Der erste Schreck wirkt derart auf ihn, dass er be-
wußtlos zusammenbricht. Tiefes Mitgefühl mit dem
Digitized by
Google
48
Toten, Selbstvorwürfe und Rachegedanken erfüllen seine
Brust. Er schwört in S, L 7b 26ff und U 5b 21 . .
feierlich, die Mörder hängen zu lassen:
S 168a 84: „Mais par chelui ki de l’aighe fist vin,
Quant sist as neuces de saint Archedoclin,
Se jamais jour en puis seul tenir,
Jes penderai lassus en tel tierin,
Si kes verront moult bien li pelerin
Ki a Saint-Jake en iront le chemin,
Si le diront en Franche le päys.“
In N und v will er zur Sühne des Verbrechens
seinen Sohn an Anseis (Yonnet) ausliefern, damit dieser
nach Willkür mit ihm verfahren möge.
N 140d 34: Et qnant Hernaus voit son cozin morir,
II a tel duel, a pou n’enrage vis,
36. A terre chiet entre li et Gerins,
Et d’autre part se paume Mauvoisins,
Tordent lor poinz esgrastinent lor vis.
39. „Las“, dist Hernans, „que porai devenir?
Mande avoie Girbert en ce pa'is,
Par traison l’i a mon filz ocis.
42. Je n’en puis majs par dieu, se poise mi.
J’en ferai ce qu’ainzmais ne fist hons vis,
Se le me löent li baron du pais
46. Que je penrai le mien filz Loeys
Et liverai au petit Anseis
Le filz Girbert qui tant par est gentilz.
48. Si en fera du tout a son plesir,
De pendre a forches ou de trere a roncins.
Si m’aist diex, qu’i bien l’a deservi.
v 309b V: cy vous dir eis du conte Hernault, du
roy Gerin et Malvoisin lesquelle, quant il virent en leur pre-
sance le roy Gilbert estre aincy piteusement trahis et a grant
tort (810a) mort et tueis, eil heurent grant dueil, nulz nou
mescroie! Car de doulleur qu’il eurent du plus hault d’eulx ce
laissairent cheoir tout pasmes en terre. Puis quant il revindrent
a leur parolle, il destourde leur poing et leur mains et detirent
leur cheveulx tellement, que c’est pitiet de lez veoir. „Haiais“,
ce dit Hernault, „et que pourait je devenir? Or ait telz dueil
Digitized by
Google
49
(Jue a pouc je ne me tue, raison pourquoy: car je amenait lä
roy Gilbert en ce pais, aumoins fasse a ma requeste qu’il y
vint, et mon filz l’ait taeis et murtris en traison. Helas, certes
je n’en pais may et en ait grant doallear a caer. Mais par
dien je ferais ce c’onqae home ne fist voir, fait il, ce lez bairohs
da pais le me lowe: c’est qae je pranrais mon filz Lowis et
le livrerais a Yonnet le filz Gilbert, poar en faire tont son
plaisir* pour le pandre noier oa airdre, car il l’ait bien deservis.“. .
Von diesem Punkte an tritt eine scharfe Trennung
zwischen den beiden Gruppen N, v und S* U, L immer 4
deutlicher hervor* In der letzten Gruppe beruft Her 5 -
naut eine Versammlung seiner Barone* um sofort den
Kampf gegen Ludie und ihre Anhänger zu eröffnen
und die Rache an den Mördern auszuführen» Er
zerreißt die Familienbande, die ihn an Weib und
Kinder fesseln und entbietet seinen Neffen Anseis
und dessen Mutter Clarisse, sowie Gerin und Malvoisin
zu sich. Als Lothringer kämpft er mit den Lothringern
gegen seine Erbfeinde, die Bordelesen. Eine ein-
gehende Analyse dieser langwierigen Kämpfe, die
schließlich mit der Ausrottung beider Geschlechter
enden, giebt Harff S. 7 — 22*)
Ganz anders gestaltet sich der Verlauf der Dinge
in N und v. Als Hernaut die oben erwähnte Drohung
gegen seinen Sohn ausspricht, stellt ihn ein anwesender
Abt, ein Verwandter Fromonts heftig zur Rede.:
N 140d 51: La ot (2.: Es) *1* abä qui fu nez da pais
e 1. Da grant parage Fromont le postöysl
Devant Hernaut li abäs ester vint
3. Et parla haut qae il fa bien ois:
„Hernaut“, dist il, „ce qae est qae ta dis?
Prez est ta chars plas qae toz tes amis.“ . . .
v 310a: .... Alors qae lez parrolle forent dicte et illec
presant y avoit ang abbä de la lignie de Fromont leqaelle
*) „Anseis de Mes, Chanson de geste ans dem 13. Jahr-
hundert“ von Carl Harff. Erfurt, 1885. Progr. Nr. 246.
4
50
c’en vint devent Hernault et parlaifc cy haalt, qu4l fut öy de
tons. „He! Hernault sire,“ ce dit l’abbe, „mais quelle parrolle
sont ce que tu ais dit, ne qui vit jamais bomme faire ce que tu
[veult faire]? Et certe, dit il, en toutte court tu en seroie re-
prins, car tu dois deffandre ta chair et ton sancgz et le gairentir
eü tont en droit.“
Da der Geistliche den ganzen Hof auf seiner
Seite hat, muß Hernaut sich fügen. Schweren Herzens
entschließt er sich, gegen die zu kämpfen, zu denen
ihn sein Herz und sein Gerechtigkeitsgefühl hinziehen :
Gott stellt er es anheim, den zu strafen, der soviel
Unglück heraufbeschworen hat.
H. v: N.
Durch den bisherigen Teil der Untersuchung,
der Kapitel I — IV und den Anfang des Kapitels V
der Handschrift v (entsprechend N 139d — 140e 15)
behandelte, ist ein entschiedenes Zusammengehen der
Handschriften N und v gegenüber der Gruppe S, L, U
festgestellt. Für die Untersuchung des folgenden
Teiles der Handschrift v müssen wir uns ganz auf
eine Vergleichung mit N beschränken, da (wie bereits
angedeutet) von hier ab jeder Zusammenhang mit der
Gruppe S, L, U fehlt. Es bleibt festzustellen, ob v auch
weiterhin sich inhaltlich und in derselben Folge der
Tatsachen an N anschließt. Persönliche Hinzufügungen
oder Streichungen Vigneulle’s werden im letzten Teile
der Untersuchung berücksichtigt werden.
Eine eingehende Vergleichung ergab für das
Verhältnis beider Texte folgendes:
Bis zur Entscheidungsschlacht am Berge La Go-
helle (v XIII, 317b; N 143e 23) gehen beide Hand-
schriften Hand in Hand, v stimmt selbst in Einzel-
heiten genau mit N überein. Aber schon bei der
Behandlung des Kampfes selbst tritt ein auf den Grund
gehender Unterschied hervor. Während in N Hernaut
Digitized by v^ooQle
— 51 —
und Malvöisin von Anseis nur schwer verwundet
werden, werden sie in v von Yonnet getötet. N 144a:
Qaant Anseys voit son parih morir, (Q. il le v., a pou n’en-
Si (Dont) le regreste. con ja porez o'ir: [rage viß,|t )
3. „Parin,“ dist il, (Sire parains) „con sui por (de) vos maris!
Et vos venistes por moi (Que por m’amor venis) en cest pa’is;
(Par moi i estes detrenchiös et ocis)
Damedieus ait de vostre ame merci!“
6. Grant duel demaine li petis AusSys.
Lors a jure le roi de paradisi
S’il ne se (Se ne s’en) venge, prisera soi pefcit.
9. Le cheval point a l’esperon massif
Et va ferir Hernant le palasin,
Grant cop li done sor son escu votis,
12. Desor la boncle li a fret et malmis
Et le hanberc deront et desarti
Et fer et fast li mist parmi le pis.
15. Ne Pa pas mort, mais navre l’abati,
Devant *1* mois ne sera bien garis.
v XIV, 319a : . . . et illec en son chemin a trouvös le corps
de son pairain snr leqnel il s T aresta et dit: „Ha noble roy, le
donlx Jesn aye de votre ame mercy! Helas, pour moy vanger
vous esteis venus morir en ce päys et pour mon amour vous
esteis destrerchiez et occis dont j’en snis correscez et dollent.
Helas, se je ne vous vange, bien pen me prise. Et certe mon
chier pairain, vous en ser6s vangiös, se je en eschappe vif, on
j’en monrray en la painne, moy qni suis ponvre orphellin.“ Alors
broncbe en son conrrous le cheval des esprons, et le premier
qn’il rencontre se fut Hernanlt anquel il donne nng si grant
conpt snr son escus que audessonbz de la boncle luy froissit et
partnsa le haubert, et le ponrpoint passa tont oultre tellement,
qu’il le fanlcit de part en part, et tont mort il Pabatit. Cy
cheut Hernanlt illec devent ces piedz les esprons en hanlt, jambe
levee ancontremont.
N 144b 44 : Li fiz Girbert fn Chevaliers de pris,
L’espee trete se rest en l’estor mis;
Qni il ataint il est de la mort fis.
*) Die Varianten zu 1— 11 in ( ) stammen ans dem Doppel-
texte 143*a 40-51; s. S. 62.
4*
Digitized by v^ooQle
47. En reßtor a encontrö Mauvoisin,
Grant cop li donne sor son elme bruni,
Qne flors et pieres en fet aval sallir;
60. Deci a Tos du test, ce m’est avis,
Li fet conler le branc d’acier forbi.
c 1 Mauvoisins chiet pasmös toz estordis,
Dont cnidoit bien qne il fast occis ....
v 320a: . . . car qui il (i. e.: Yonnet) estaint il est tont
assenreis de mort. Et en 8a grant yre et desirant de se van gier
a rencontres Malvoisin anqnel il donna nng si grant coupt snr
son heaalmes, qne fleurs et pieres en abatit, ne ne lny vallut
la coieffe qu’il pourtoit, le vaillant d’un tournois, qne tont jnsqnes
an menton ne le parfandit et d’icelluy copt devant ses piedz
mort l’abatit ....
Im übrigen schließt sich v XIV noch sehr getreu
an N an. Von Kap. XV an entfernt sich v jedoch
immer mehr von seiner Vorlage. Während N zunächst
des längeren berichtet, wie Gerin seine schon totge-
glaubten Freunde am Leben findet und in die Stadt
schaffen läßt, erwähnt v mit einigen Worten nur die
Tatsache des Auffindens der Leichen und ihre Bei-
setzung in Lens.
N 144d 26 : Or le lerons *1* petit d’Anseys
Qni fn venus a Aras la fort cit!
Si vos dirai du riche duc Gerin
29. Qui fn on cbamp monlt dnrement maris ....
32. Regardez c’est li riches dns Gerins
Et ne voit mais ne parent ne cosin;
Qne toz sont mort detrenchiö et ocis.
35. Et qniert son frere Hernant le palazin,
Si l’a trovö desor l’ombre d’un pin ....
39. A lni s’areste son chier frere Gerins,
Cnida qu’il fust du siede departi.
Il le regreste, con ja porös oi'r :
42. „Tant mar i fnstes Hemans li poitevins!
Frere gentis, si mar onqnes vos vi,
Vostre proesse, vostre mervillex pris.
46. Qni vos a mort, il est mes anemis ....
48. Ne l’amerai, tant con je soie vis,
Digitized by v^ooQle
53
Si l’avrai mort, [en]si com il a ti.“
Aprez ce mot da cheval descendi,
51. Vient a son frere Hernaut le palazin.
e Si con Gerins l’aproche li marchis,
Choisit Hernaus son frere cengloutir,
3. De pamoison se redre^a et vint,
Euvre les iex, si regarde entor li.
Gerins le voit, a escrier c’est pris:
6. „Vis tu, biax frere, por dien de paradis? . . . .
10. Le vostre euer, por dieu con se sent il?“
Et dist Hernaus: „Flebement, doz amis.
12. Li cuers me faut, ne me puis sostenir,
Si m’a navrö mon couzin Anseys,
Par Chevalier onques mes ne fui si.
15. Vez ci le fer de son espiä forbi
Qui en Pespaulle m’en est demorez ci,
Ostez le moi, frere, je vos en pri!“
18. Gerins Pentent, si l’a tire a li,
*1* rai de sanc apräs ce en issi ....
25. Puis sont alez au gentil Mauvoisin.
Tant ot saigniä qu’il fu descoloris,
De paumoison fu venus li marchis,
28. Remontez fu et ot son escu pris.
A vois escrie: „Sire Gerins cosinz,
Ou sont alez nos mortez anemis?
81. Por Pamor dieu qu’avez fet d* Anseys,
L’avez vos mort ou retenu ou pris?
Combien qu’il fast nos mortex anemis,
84. S’est il dolor, se voz Pavez ocis,
Que a son droit c’estoit il a nos pris ....
48. Por dieu Gerins, quel part est Anseys? 44
Et il respont: „Par ma foi, dous amis,
Se que de gent a ensemble acoilli
51. Vers Aras vont, de ce sui je toz fis.“ ....
f 24. Qu*nt Gerins ot Mauvoisin le gerrier
Qui de repos et d’aide a mestier,
Lui et Hernaus qui le corage ot fier
27. Dont commanda le champ a recerchier
Et les navrez en litiere couchier.
Ceus font porter a Lenz tot droit arriei,
30. Venir font mires por eus apparillier
Digitized by
Google
54
Et pour lor plaies rebender et loier ....
37. Hernant en portent qui pou se pot aidier
Et Maavoisin qui ne pot chevauchier ....
v 320b, XV: Come cy devant av6s öys fut, despartie la
mellee pour celle fois et se mit Yonnet a saulvete luy et les
siens dedans Arras et demeura le roy Gerin victorieulx. Mais
il se trouva moult dollent et esbahis; car quant il regarde en-
tour de luy et vit quMl n’y avoit plus parens amis ne Cousins
par quoy il peult tenir sa guerre. Et alors quert son frere le
conte Hernault parmej (321a) les mors, si le trouva la faice gisent
contre la terre qui estoit tellement ensenglenteis, que c’estoit
piti6 de le veoir. D’aultre couste trouva le conte Malvoisin
qni pareillement estoit tout desplaies la faice paille descoulloreis
et tainte. Lors ledit Gerin lez resgairdant de euer souspire et
plusieurs complaintes et lamentacions en fist, et puis fit prendre
les deux corps et les en fit pourter k Lans sor deux escus, et
tout droit a la grant eglise les fireut posäs et mis. Alors
veissiens venir evesques abbeis et prieurs et gens de devotion
et contemplatif avec grant luminaire et encencier d’argent, pour
veillier entour des corps. Puis illec se sont assis et ont dit
vigilles le^ons et Bouffraiges en priant a dieu que de l’ame des
trespassez aie merey ....
Während ferner in N Ludie von Gerin nur mit
Vorwürfen überschüttet wird, aber einem Versuche,
sie zu töten, entrinnt, läßt v sie durch Gerins Hand
sterben und an der Seite ihres toten Gemahls und
Malvoisins im Dome beisetzen:
N 144f 41 : Mauvoisin font porter sor le planchie,
Hemaut aprös le poitevin gerrier.
Voit le Ludie, si commence a huchier:
44. „Lasse dolante, si mortel enconbrier!
Hai Hernaus filz de bon Chevalier,
Cil qui vos sout si let aparillier,
47. Je proi a dieu qu’il l’en doint son louier.“
Gerins l’entent, le sanc cuide changier:
„Ahi mauvesse,“ ce dit Gerins li fier,
50. „Par toi est tot venu cest enconbrier.
Par la foi dieu tu le comparas chier.“
145a: Lors met la main a Pespee d’aeier.
Quant Ludiane l’i par$ut aprochier,
Digitized by
Google
55
3. Si ne ce fet pas de foi'r proier,
Dedens sa chambre c’est corüe glacier,
Isnelement corut 1’us verroillier,
6. Qu’en preu Gerin n’en ot que corecier
Qae eschapee est la malle moillier ....
v 321a XV : . . . Les barrons et les bourgeois de la cit6
y sont venns et firent grant cris et lamentacions par l’amour
des denx seignenrs. Entre iceulx y est venne dame Ludie la
fanlce femme laquelle, quant eile vit Hernault son bon seignenr
aincy mort et murtris, se lessa cheoir tonte pasmee dessns le
corps. Mais qnant le roy Gerin la vit, a pen ne fnt d’ire et de
conrage enraigie et dit aincy: „Vas“, dit il, „ maul vaise femme,
que le vray corps dien te mauldie et te puisse confondre et
envoier en enffer. Quant par toy somes aincy deceups et trahis
.... par toy sont mors tant de vaillans gens et des Chevaliers
de sy grant pris. Mais certe, faict il, tu l’acomparrais, se dieu
me donne vie et sentä!* Et en disant les mots tira son espee
de laquelle il donna a Ludie ung si grant coupt dessus le chief,
qu’il lny a fendus la teste en deux moitiet et l’abatit morte
sur le paveis. Les barrons du päys estant illec furent de ce
bien embabis, touteffois fut la chose ainsy faicte et eurent la
paciance. Puis la firent ensepvellir avec le conte Hemalt son
marrit; de l’autre part et asseis preis firent enterrer le gentil
conte Malvoisin ....
Nach der Episode mit Ludie läßt Gerin in beiden
Handschriften Lowis zu sich rufen, um ihn zum
Frieden zu veranlassen. Abweichend sind in dem
Wechselgespräche der beiden die Stellen wieder-
gegeben, in denen Ludie, Hernaut und Malvoisin Er-
wähnung finden. In v nicht übernommen ist ferner
die Bemerkung des Anseis über das Weib und den
verwaisten Knaben des Herzogs Amaury:
N 145c 21 : Et s’ai perdu mon cozin Amauri
Dont grant dolor avra en son pais,
Quant le savra sa moillier et son fil
24. Li jones enfes de Dijon Amauris
Qui n’a au cor que *X* ans acomplis;
XI sera moult de son pere marris.
Digitized by v^ooQle
56
Ganz verkürzt sind die Worte wiedergegeben,
mit denen der Gesandte dem jungen Anseis die Ver-
luste seines Vetters Loeys schildert und sich über die
augenblickliche Lage der Bordelesen ausläßt:
N 145c 31: „Par ma foi sire“, li mesages a dit,
„Dont est li jeus bien loiaament partis:
33. S’avez perdu, il n’ont noiant conquis,
Que de sa gent a tant ou champ ocis,
Que par cors d’orae n’i seroit nombre mis.
36. Toz li lignages Fromont le posteys
Fu ier ou cbamp detrenchiäs et ocis
Fora seulement quens Berengiers li gris.
39. Mais eil se tient en son riebe pa'is
Droit a Boloigne o c’est ses edefis ....
48. Bauche li cors n’est pas en cest pa’is
Qui ja tenoit et Flandres et Pontis,
Outre mer est ou diex fu mort et vis
d 1. Au saint sepnlchre, -XV* anz a acomplis,
II ne venra jamais en ce pa’is;
3. C’en doit pezer vo couzin Loeys,
Que il en est raainz doutez et cremis.
Hernaus son pere se gist si mal baillis
6. Que vos navrastes ou grant estor fornis,
Ne gardons Teure que rende l’esperit.
Ancor est pis atornez Mauvoisins.
9. Si con je croi et moi en est avis,
Ja ne vivra *XV* jors acomplis.
Vos avez si triboulä cest pa’is,
12. Que en vertus ne sera jamais mis,
Et vos et eus en estes apovris.
Ne sai lequel en a ett au pis;
15. Mais diex commande, et Toi et est escrist
Que li plus humbles s’umelie toz diz,
C’il veust avoir part en son paradis.
18. Por ce vos proie vostre cozins Gerins
Et Loeys (et) menaides et mercis
Que pardonnez et le mal et le pis
21. Et fetes p&s et soiäs leur amis,
Ou autrement sont du pechi6 eschis,
Quant il vos proient si humblement mercis
Digitized by
Google
57
24. Ooment qu’il soit, il sont vostre couzin,
Vob n’avez plus ne parent ne amis.“
v XVI, 822a: . . . „Ha chier sire,“ se dit le messaigier,
„ne pensös plus a iceulx que vous dicte, ains trouves la manier
que celle paix se faice et que desormais nous soiens parens et
amis, et lessez, dit il, les mort aux mors et les vifz aux vifz;
car vous s$av6s chier sire qu’il ait perdus le conte Hemault
son pere lequel luy aves destrenchi&s et occis pareillement son
cousin Malvoisin. Puls le roy Oerin luy a tue dame Ludie sa
mere, et la tua hier soir en vangeance de la mort du roy Gil-
bert votre chier pere laquelle choses vous debveroit bien zouffire.
Quant l’enffant öyt que lafaulce fern me Ludie estoit morte, oncques
ne fut si joieulx en sa vie et fut tout rapaisantäs a celle fois . . . .
Während also (wie aus den vorstehenden Text-
proben ersichtlich) in v Yonnet hauptsächlich durch
die Nachricht von der Justiz an seiner verhaßten
Feindin Ludie zum Nachgeben bestimmt wird, bewirkt
dies in N vorzüglich der Einfluß der überzeugenden
Worte des Gesandten. Die Schilderung der Rückkehr
des Friedensboten und der Versöhnungsscene sind in
beiden Handschriften entsprechend wiedergegeben.
Jedoch geht die Darstellung der Demütigung des
Lowis in N mehr ins Einzelne, während v beträcht-
lich kürzt und sich auf einige allgemeine Phrasen
beschränkt :
N 145f 1: Puis li a dit: „Merci, sire couzins,
Prenez m’espee franz Chevaliers gentis
3. Et me copez le chief, je vos en pri!
Par la foi dieu je l’ai bien deservi.
Et nonporquant par dieu de paradis
6. Se me fist fere ma mere Ludiis,
Je fui du fet de l’anemi sorpris.
Pren en venjance, biax cozins Anseis!
9. Ansi con diex pardonna a Longin
Qui de la lance ou costä le feri,
Jel te pardoing ainsi, se tu m’ocis,
12. Et c’il te plest que je demeure vis,
A toz dis mais veul estre te®, sougis.
Digitized by
Google
58
Ja n'avras gerre en si lontaing pais,
16. Ne vo8 sequeure a ‘VITM* fervestis
A cleres armes et a chevax de pris.
Por dieu couzins, aiez de moi mercis!“
18. En crois s’estent droit au piez Aus eis,
Aprez li tent le branc qui fu forbis ....
v XVI 822b: ... et come se sentant da cas coapable a
cbaulde lairme print a ploirer et se mist da toat a sa mercy.
Pais en se lameatant a haulte vois print a crier et dit: „Ha
sire peirre dieu pardon n6s a ce povre chetif“ ....
Nach dem Friedensschlüsse begiebt sich Anseis
mit der Leiche seines Paten nach Köln. N schildert
diese Fahrt ausführlich und berichtet dann, wie der
Thron des Königs Anseis auf sein Patenkind übergeht:
N 146b 17: Granz fu li dues la roioe au vis fier,
Sa gent commence la dame a aresnier.
„Baron“, dist eile, „nobille Chevalier,
20. Mors est li rois qui tant nos avoit chier.
Je n’ai enfant fille ne hiretier,
Ne plas ne veal roiaume justicier.
23. Voiant les princes qui sont en ce mostier
Doing mon filluel tont mon pais plenier.
Je serai nonne la dedens P mostier,
26. Pour mon signeur vorai adfes proier.“
Li baron dient: „Bien fet a outroier.“
Font li homage de bon euer et d’entier,
29. N’i a celui qui l’en feist dongier,
Et toz le tinrent a signor droiturier.
Or est plus riches c’onques mais la moittö
32. De *11* roiaumes dont il a le dangier.
v erwähnt von der Fahrt nichts. Nur ganz bei-
läufig wird v XVII 323a gesagt: .... Touteffois comme
la vraie cronicque le met y je trouve que par succession de temps,
je ne 89a a quelle occasion, s’en alla le gentil Yonnet ce tenir
a Collongne dessus le Bin, luy et sa mere et plussieurs aultres.
Et par faulte de lignee possedoit toutes les terres du roy Gerin.
Daß Vigneulle Yonnet hier als Nachfolger König
Gerins bezeichnet, ist vielleicht dadurch zu erklären*
Digitized by v^ooQle
59
daß er, oder auch schon seine Vorlage, G-erin und
Anseis, die ja beide als Könige von Köln in der Loth-
ringer Geste bekannt sind, mit einander verwechselte.
ln den beiden letzten Kapiteln wendet sich v
ganz von N ab. Beide Handschriften beschäftigen
sich zwar des weiteren mit dem von neuem durch die
Schuld des Lowis ausbrechenden Kampfe. Aber die
Motive zum Streite und der Verlauf der Zwistigkeiten
sind derartig verschieden behandelt, daß keinerlei Zu-
sammenhang festzustellen ist. Da Vigneulle jedoch
besonders in diesen beiden Kapiteln sich wiederholt
auf seine Vorlage beruft (s. den Text im Anhang),
haben wir keinen Grund anzunehmen, daß er, um zu
kürzen, den eigenartigen Schluß als Produkt eigener
Phantasie hinzugefügt habe. Es liegt viel näher an-
zunehmen, daß seine uns nicht bekannte Quelle ent-
sprechend dem Schlüsse seiner Prosabearbeitung das
Ende des Anseis und Loeys beschrieben hat.;
Zum Verständnis für die Weiterentwickelung von
N sei hier eine kurze Analyse von 146b ff gegeben:
An einem Ostertage im Anfänge des April ver-
abschieden sich Malvoisin und Gerin von Hernaut, um
in ihre Heimat zurückzukehren. Ungern sieht Graf
Hernaut sie scheiden. Auch er will jetzt nicht mehr
in dem Lande bleiben, in dem er so viele Freunde
und Verwandte aus dem Geschlechte der Lothringer
verloren hat. Trotz des Widerstrebens seiner Gattin,
die in Lens inmitten ihrer Anhänger wohnen bleiben
will, hält er an dem Plane der Übersiedelung nach
Gironville fest und setzt entschlossen die Abreise durch.
Zu Pfingsten trifft er mit seinen Angehörigen in Bor-
deaux ein, wo sie von der Bevölkerung mit Jubel auf-
genommen werden. Mancherlei Festlichkeiten finden
zu Ehren der Angekommenen statt. Aber trotz aller
Digitized by
Google
60
Zerstreuungen ist Hernaut finster und in sich gekehrt.
Iipmer wieder kehren seine Gedanken zu seinem toten
Freunde Gilbert zurück. Um die Gesinnung seines
Sohnes zu erforschen, stellt er eines Tages an ihn die
Frage, ob er seine Mordtat aufrichtig bereue. Un-
verblümt giebt Loeis zur Antwort, daß ihm die Tat
keineswegs leidtue; er bereue nur, Anseis nicht auch
getötet zu haben, dann würde wenigstens keiner der
ihm verhaßten Lothringer mehr leben. Ergrimmt
über diese neue Frechheit seines Sohnes schlägt Her-
naut ihn mit einem Faustschlage nieder. Ludie, die
bei dem Auftritte zugegen ist, reizt durch ihr Jammern
und durch ihre Reden Loöys auf, der emporspringt
und seinen Vater mit einem Gestell erschlagen will.
Ein Seneschall wirft sich zwischen Vater und Sohn.
Ihn trifft der Schlag, der Hernaut gelten sollte, so daß
er tot niederstürzt. Hernaut ruft seine Ritter herbei,
die den Rasenden, der sich verzweifelt zur Wehr setzt,
durch Anlegen von Fesseln unschädlich machen.
Seinem Weibe und seinem Sohne schwört der Graf
furchtbare Rache. Außerhalb der Stadt läßt er Loöys
hängen. Ludie soll ihre Untaten mit dem Feuertode
büßen. Als sie hiervon hört, beginnt sie jämmerlich
zu klagen. Doch kurz entschlossen rafft sie sich auf
und entsendet einen Boten an Berengier le gris nach
Boulogne mit der Bitte um schleunige Hilfe. Beren-
gier und Bauche, der soeben aus fernen Landen zu-
rückgekehrt ist, brechen sofort mit einem gewaltigen
Heere gen Bordeaux auf. Sie schwören, Hernaut
Land und Leben zu nehmen. Einen zweiten Boten
entsendet Ludie an Guillaume, den Sohn Blancheflors,
der ihr mit Beraut zu Hilfe eilt. — Mittlerweile hat
Hernaut alle Vorbereitungen zur Hinrichtung getroffen,
bei der auf seinen Befehl 4000 Ritter als Zeugen
Digitized by
Google
ei
zugegen sein sollen. Ludie wird mit Gewalt aus Bor-
deaux heraus zum Scheiterhaufen geschleppt. — In
dieser^ Augenblicke kommen der Fürst von Blanche-
flor und Beraut mit 7000 Bittern an. Als Hernaut
die Feinde bemerkt, läßt er Ludie in den Palast zu-
rückschaffen und bewachen. Es entspinnt sich ein
harter Kampf. Schließlich muß Hernaut der Über-
macht weichen. Mit genauer Not entkommt er mit
den Überresten seines Heeres nach Bordeaux, von wo
er Boten an Gerin, Malvoisin und Anseis entsendet,
die ihm mit stattlichen Heeren zu Hilfe kommen.
Zwei Meilen von Bordeaux entfernt schlagen die Ver-
bündeten ein gemeinsames Lager auf. Mittlerweile
rücken auch Bauche und Berengier mit ihrer Armee
heran. — Am nächsten Morgen bricht Hernaut aus
Bordeaux aus, um zu seinen Freunden zu gelangen.
Bauche rückt in die Stadt und befreit Ludie, die er
zu ihrer Sicherheit nach Gironville schickt. Dann
folgt er Hernaut, den er mit 30 000 Mann im Rücken
angreift, während Berengier dem Grafen auf der
andern Seite mit seinen 40000 Mann den Weg ver-
legt. Hernaut erliegt der Übermacht. Mit 10 Rittern
entkommt er und flieht seinen Freunden entgegen.
Jetzt greifen auch Anse’is und seine Bundesgenossen
in den Kampf ein. Aber selbst die größte Tapferkeit
vermag nicht die Übermacht der Bordelesen zu brechen.
Am Abend sind die Lothringer vollständig geschlagen.
Zeltlager und Lebensmittel müssen sie den Feinden
preisgeben, die jetzt Herren von Gironville und Bor-
deaux sind. (N 148e 21).
Von hier ab schließt sich N an L (92a 18) und
S (229b 5) an, mit denen es bis zum Ende der Chan-
son d’Anseis zusammengeht. (cf. Harff S. 16 ff.)
Digitized by
Google
62
Aus der vorstehenden Untersuchung ergiebt sich,
daß die Prosabearbeitung v in Kap. I — XVI (306b —
322b) mit der Gruppe N zusammengeht. Wenn die
Handschriften auch von Kap. XIV an in manchen
Punkten auseinandergehen, so ist diese Abhängigkeit
doch als erwiesen zu erachten. Daß Philipp die mir
vorliegende Handschrift N als Vorlage zu seiner Arbeit
benutzt habe, läßt sich aber höchstens für Kap. I — XIII
seiner Prosawiedergabe annehmen; für den übrigen
Teil muß er eine andere Quelle benutzt haben. Für
die Richtigkeit dieser Annahme spricht besonders
folgender Umstand:
In der mir vorliegenden Handschrift N finden
sich nämlich scheinbar in engem Anschluß an 143*a
40 — 51 (s. S. 51) auf 143*f 1 ff. folgende Verse:
[D]ont maintenant va Ludie sesir
[Et a]hauci6 le branc d’acier forbi
3. [Et] fiert Ludie, si la paia Gering,
[L] e chief li trenche sans nes *1* contredit,
[M] oult s’en esmaient li baron du pa'is.
6. [M]ais il n’i ot si preu ne si hardi
[Qui] en ait onques blame le roi Gerin.
[D]elez Hernaut la firent enfo'ir
9. [Et] d’autre part remestent Mauvoisin.
[GJrant dolor ont li baron du pais.
[Puis] sont montez sns le palais voutis.
12. [Pre]miers parla le riche roi Gerins
[Et] appela son neveu Loeys:
„[H]a*i biax ni6s, con tu nos as trais,
15. [Car] tu as mort Girbert le mien cosin.
[0]r as perdu ton pere le marchis
[Et] moi mon frere que je amoie si
18. [Et] mon cousin le gentilz Mauvoisin.
[Nos] n’avons mais ne parent ne ami
[TJrestoz sont mort detrenchiä et occis
21. [F]ors seulement le petit Anseys
[L]e filz Girbert qui estoit nos Cousins:
[Ajinz de mes iex tel Chevalier ne vi!
Digitized by v^ooQle
63
24k [J]e loeroie par dien de paradis
[Que] tu mandasses ton cosin Anseys
[P]es et acorde, c’il la voloit tenir.“
27. [L]oäys Pot, a mervelles li vint,
[D]res8e sa main et a saignie son vis.
,,[S]ainte Marie“, dist il, „qu’avez vos dit?
30. [Com]ment poroit la pes a nos venir?
[J’]i ai perdu mon pere Je marchis
[Et] mon neveu le bon duc Mauvoisin,
33. [D]ame Ludie dont j’ai le euer raarri
[M]a douce mere que vos avez occis!“
„[Par] ma foi ni6s“, ce dit le rois Gerins,
36. „[Si] ra perdu vo cousin Anseys
[S] on gentil pere Girbert le Signori
[L]e mien cosin que tu li occeis.
39. [Et] s’a perdu le bon roi Anseys
[L]e sien parin dont il est möult marris,
[Et] por s’amor s’en vint en ce pai's
42. [L]a ou il est detrenchiös et occis.
[Et] s’a perdu son cosin Amauri
[Et] avec lui maint Chevalier de pris.
45. [L’]un soit por l’autre de celz qui sont occis
[T] u as son pere ausi a la mort rais,
[L]e tien ra mort, la venjance en a pris.
48. [B]ien puet la pes de vos -II* avenir.“
[T]ant li proia et dist li rois Gerins,
[Que] il li a et creante et dit
51. [Que] il fera du tout a son plesir.
Diese Verse finden sich in N mitten in die
Schilderung des Entscheidungskampfes eingefügt. Sie
schließen unmittelbar an die Scene an, in der die
Alemannen nach dem Tode ihres Königs die Flucht
ergreifen (143*a 21 ff.) und Anseis an der Leiche
seines Paten klagt, um sich dann von neuem ins
Kampfgewühl zu stürzen (143*a 40 — 51.) Nachdem
die Handschrift dann die oben angeführten 51 Verse
gebracht hat, wiederholt sie 144a 1 — 11 mit einigen
Varianten die Verse 143*a 40 — 51 (vgl. S. 51) und
Digitized by
Google
64
fährt dann fort. In der Handschrift sind die Verse
143*a 40 — 51 und f 15 durchstrichen, 2 k des Blattes
(die Spalten b — e nebst den Initialen von f) ist abge-
schnitten. Der Strich sollte offenbar zur Ecke der
Spalte links unten gehen»
Ich nehme an, daß die Vorlage von N mit Blatt
143* abbrach und der Kopist zu einer neuen Vorlage
greifen mußte, oder daß Blatt 144 ff. von einem anderen
Kopisten herrühren. Da Blatt 144 mit der bereits
Blatt 143*a 40 ff. niedergeschriebenen Stelle beginnt,
mußte von Blatt 143 alles weggeschnitten oder
durchstrichen werden, was sich in Blatt 144 wieder-
holte. Auffallend ist nun, däss diese 12 [204] und 51
Verse den entsprechenden Versen der Handschrift N
145a und b in einigen wesentlichen Punkten völlig
widersprechen und im übrigen den Tatbestand be-
deutend gekürzt geben — dagegen mit v genau Zu-
sammengehen : Hernaut und Malvoisin fallen im
Kampfe, Ludie wird getötet. — Vergleiche die Text-
proben aus v XIV und XV (Seite 51 — 57), denen
ich noch die weitere Darstellung des Kap. XV
hinzufüge : Or sonfc tous morz de celle lignie, dien leur face
et piti6 et mercy; car de tous tant qu’ilz en estoient et d’ung
coust6 et d’aultre il n’y a plus que le joune Yonnet et ledit
roy Gerin, parquoy les seigneurs et bourgeois demenerent moult
graut dueil de pleurs de plaius et de cris tellement que c’estoit
piteuse chose a öyr. Alors retournerent sus ou pallais, et quant
le roy Gerin y vint apr&s plussieurs parolles si appella Lowis:
„Ha Lowis, faict il, par ton meffaict et oultraige j’ay perdus
Gilbert mon cousin, pareillement mon frere le preux Hemault
le tien chier pere qui souueffement te avoit nourri, aussy y
est mort le bon conte Malvoisin notre cousin. Or n’averös
plus ne amis ne parens qui ne soient mors destrenchiös et occis
fors seullement le petit Yonnet qu’est tant vaillant, car oncques
de mes yeulx et de son eaige ung pareil Chevalier ne vis. Et
pour ce, dit il, par dien je loueroie et avec ce je te conseille
Digitized by
Google
— 65 —
tyue tu le mandisse et qu’il viengne icy ponr faire paix et ac-
cort et que noug fnissiens essemble bons amis.“ De ces pa-
rolles Lowis se donna grant merveille, se leva la droicte maiii
en hault et en fit une grant croix dessus sa face et dit: „Sainctö
Marie, ce dit Lowis, mais qu’esse que (321 b) vous dictes et co-
ment ponroie je faire paix, quant il m’a aujourduy tues mon
pere le meilleor et le plus essures Chevalier qui sur la terre
merchit? Et pareillement le bon conte Malvoisin. Puis vous
av6s tu6s ma mere de quoy j’en a dueil et tristesse et n’est
possible de me resjolr.“ „Ha Lowis a , se dit le roy Gerin, „ne
vois tu pas qu’ilz ont tant perdus eulx mesmes? Car premier
tu accommen9a et luy tuas son pere qui estoit Chevalier si re-
nommeis que au monde n’avoit son pareil. Apr&s il ra perdus
tous ses consors, c’estoit de son pairain le roy Ancei's lequel
estoit venus par dessa pour luy aidier et secourir, mais il est
mort et luy avons destrenchies et occis. Oultre plus il a per-
dus Amaury de Dijon, de quoy c’est piti6 et dommaige de la
mort de tant de vaillans Chevaliers qui sont esteis mort pour
celle offen ce que toy meisme a commis. Et pour ce me semble,
ce dit Gerin, que le meilleur seroit de faire paix; car tu la peulx
bien souffrir.“ Or le sermonna tant le roy Gerin, qu’il s’y accor-
da voulcist ounon, jay ce que ce fut bien envi. Toteffois il le cranta
et luy en donna la cherge de en faire du tont a son plaisir. . .
D. Schlussbemerkung.
Es bleibt noch zu erörtern, in welcher Weise
Vigneulle das ihm vorliegende Material verwertet hat
Große Selbständigkeit und eine kunstvolle dichterische
Wiedergabe können wir von ihm nicht erwarten. Bei-
tont er doch selbst am Schlüsse seiner Bearbeitung:
Si vous prie ou nom de dieu que prenez en grey l’euvre; car je
vous advertüi qu’elle n’est pas mise en cy beaulx termes, comme eile
deubt estre, mais y ait biaucopt faillis par ce que je n’ay pas
l’ars ne la Science et aussy je ne Ta faict sinon pour mon passe-
temps et plaisir. — Er hat sich sehr eng, oft wortgetreu
an seine Vorlage angeschlossen. Nur ganz gelegentlich
zeigt er eigenes Schaffen, das sich auf einige Berichti-
6
Digitized by v^ooQle
66
gungen, Erweiterung von Schilderungen und Zusätee
verschiedener Art beschränkt.
a) Berichtigungen.
Nach N 139e 33 läd Hernaut in seinem und
Gerins Namen Gilbert zu den Festlichkeiten nach Lens
ein* Die Boten sagen zu Gilbert :
„Salus vo8 mande Hernaus li palazins
Et 8on chier frere le riche roi Gerins
Qu’a pentecoste vos les venez ve’ir.“
N widerspricht sich hier, da nach 139d 32 Gerin
sich nach Köln begeben hat:
Lors Bont li conte sevre et departi
Qu’a Coloingne s’en est alez Gerins . . .
v II beseitigt diese Ungenauigkeit, indem Hernaut
durch einen Gesandten auch Gerin von Köln zu sich
bitten läßt.
Nicht nachzuweisen ist, ob Yigneulle bei ab-
weichenden Angaben von Zahlenverhältnissen hat be-
richtigen wollen. Solche ungenauen Wiedergaben sind
häufig:
N 142b 9: Aiuz li fera secors Sans contredit
A ’XXX’M’ de gent de ce pais ....
V YIH: .... et comme j’entens il leur ait promis de a
tont # XX # mil combattans le secourir.
Ludie spricht N 142e 1 zu Hernault von dem
Schatze Fromonts:
Ne le pouroient porter -XXX’ roncin. v X: j'ay ung
tresor lequel ne vistes encor jamais ne vous ne aultre, et fut a
mon pere le viez Fromont et Pa si bien gardez depuis sa mort
et renforciö d’or et d’argent, que il y a la Charge de XX* roncins
et encor plus que je ne dis. —
N 143e 14 sagt von den Truppen Yonnets: Par
droit esgart sont \LXX* mil, v XIII : car quant ilz furent tous
assembles ilz estoient bien 'XL* mil de bonnes gens et plus de
•XV* mil des poursuivans.
Digitized by
Google
— 67 —
Desgl. spricht N 143f 9 von den Truppen Hernauts:
Quant sont au chanz, bien sont *L* mil
Et bien •VITO por [le] chastel tenir
Du grant parage Fromont le posteys.
V XIV: et quant ilz furent tous assembtes, ilz furent
environ *XL* mil, tous gens de faict preux et hardis, et enviroil
•VIIc* de la gent de Fromon et partie de son paraige.
N 144c 5 ff. bedauert Anseis den tötlich ver-
wundeten Malvoisin:
Tant mar i fustes, biax sire Mauvoisins!
N’a pas T an passd ne acompli,
Ains que fust mors mon pere li marchis,
Que ne fust hons qui fust de mere vis,
Sa * lirC ‘ leues vos eüst mort de ci,
Que a m’espee ne Testeüt morir . . .
V XIV : Ha Malvoisin vaillant Chevalier, la malle venue
que aves faict icy. Helas, fait il, il n’y a pas encor ung an,
avant que mon pere fut tues, que s’il y eust chacun homme de
mere nez ne tant fut ilz corraigeux ne hardy et il vous eust
tud ou faict aulcun desplaisir ne tant fut demourant a cent li *
eues d’icy, que de ceste espee ne l’en coveint morir . . .
Anse'is wird von der Verwandtschaft Fromonts
plötzlich in großer Übermacht angegriffen. N 144c 32
sagt:
Plus de *V-C- li sont avant sallis
Du grant parage Fromont le posteis.
V XIV : Alors plus de trois cent du grant paraige de
Fromont en sont saillis avent.
Besonderes Gewicht ist auf solche widersprechende
Zahlenangaben überhaupt nicht zu legen, da diese ja
auch in den älteren Handschriften mit großer Willkür
behandelt werden.
b) Erweiterung von Schilderungen,
v II: Die Gemahlin Gilberts sucht ihren Gatten
zu überreden, von der Fahrt nach Lens abzustehen:
„Ha sire,“ ce dit la dame, „qu’esse que vous dictes ne quelle
B ♦
Digitized by v^ooQle
— 68 —
promesse aveis vous faictez? Pour dieu mon chier seigneur je
vous prie: N’y ailleis mye! Helas vous s$aves, dit eile, que a
Lans et ou pais entour vous aveis plusieur annemis eutre
lesquelle y est dame Ludie qui vous heit a mort, come on dit
pour l’amour de son frere Fromondin que aveis tueis en l’er-
mitaige dedens le bois, come vous sgaveis. Parquoy je me doubte
et me le dis le euer que, ce vous y ailleis, tairt en vanreis a re-
pairtir, ne jamaix vous en retournereis en vie. u „Ha dame,“
ce dit le roy, „laisseis or toutte cez follie! Mais panBeis vous
que Hemault soit cy meschant home, luy qui est seigneur de
Lans et. avec ce est mon cousin, qu’il m’en advenist aulcuns
malz ne que on m’en eust faict aulcuns desplaiBir? II ameroit
mieulx, dit il, qu’il ne fut oneque esteis nes, qu’il le deust per-
mestre ne souffrir. Et pource dame ne m’en parles plus, car
se a dieu plait, je yrais demain et avec moy y vanrais Yonnet
mon filz.“
Yigneulle behandelt hier in breiter Ausführlich-
keit eine Scene, die an der entsprechenden Stelle in
N (139e 47 ff.) fehlt, dagegen N 141c 31 ff. ange-
deutet ist. Die Königin bricht beim Anblick der
Leiche ihres Gemahls in die Worte aus:
„Hai Girbert, con je bien le vos dis
Que n’alisi&s a Lenz ne el pai's,
33. A Ludiane qui diex pulst maleir,
Que mort avi6s son frere Fromondin
En l’ermitage el moustier benei'.
36. Je vos dis bien, ja ne revenri6s vis ;
Trouve l’avez, sire, se poise mi.“
N 140c 26 sagt Ludie zu ihrem Sohne:
„Filz va si tue Girbert li filz Garin
Qui lasus joue aus esches a Gerin.“
y IV erweitert diese beiden Verse: Ludie gibt
ihrem Sohne genaue Verhaltungsmaßregeln: „Orescoutte
moy doneque mon anffans!“ [ce dit la dame]. „Prant dez maintenant
ta bonne espees et t’an vais incontinant lassus en saille! Illec
trowanreis le roy GJlbert juant aus esches avec ton pere, et
cy est le roy Gerin et Malvoisin. Et quant tu verrais, ce dit
Digitized by v^ooQle
la malvaise femme, qu’il seront plus esmeusös au jeu et qu’il
ne panseront a toy ny a aultre, alors prant ton espees et en
donne a Gilbert ung cy grant copt dessus la teste, que tu luy
espaude la servelle! Et adoucque quant tu airais fait cellay,
retoume ycy a moy et tu n’ airais gairde de homme qui vive;
car je te gairentireis bien encontre tous.“ Vigneulle hebt
hierdurch Ludies Stellung als Urheberin des Ver-
brechens schärfer hervor. Er benutzt die N 140c 29 ff.
gegebene Schilderung des Mordes, indem er den ganzen
Plan der Ausführung desselben als wohl überdachten
Gedanken Ludies hinstellt.
N 140c 34 sagt von Loeys: Et eil l’encline qui mot
ne respondi.
v IV gibt eine deutliche Erklärung: Le gars fut
fei et de 8 piteux et ne respondit oneque ung seul mot; car il
estoit cy plain de malvaise pansee et avec ce estoit tantös du
diauble et de sa meire, qu’il n’awoit tallans de [rien] dire.
N 143d 38 ff. antwortet Hernaut den Gesandten
des Anse'is:
„Signor,“ dist il, „entendez envers mi!
Mors est Girbers, sachies, ce poise mi,
Trover n’en puis menaide ne mercis,
Se diex m’aist, le euer en ai marri.“
v, XIII führt Vigneulle die Antwort weiter aus,
um die Trauer des Grafen markanter hervorzuheben:
„Seigneurs“, faict il, „entendes s$a que je veulx dire! Il est vray
que le roy Gilbert est mort dont dieu (318a) a l’ame, et de-
quoy il me poise sur ma foy plus que a mille de ces amis, et
en 89 US sy tres triste et dollans, que j’en meurt d’anuyt. Et
avec ce en heiz a mort mon filz Löys; car je vous jure dieu et
mon ame que sur tous les homme du monde il m’en desplait
merveilleusement. Mais le pire est que moy qui n’en puis may
ne puis trouver misericorde ne merey, dont sur mon ame j’en
suis marrit,“
Digitized by v^ooQle
70
c) Zusätze.
N 140e 27 : Aus esches joue entre lui et Germs, v Y :
Car il sout la en hault dedaus la saille ou il joue aus esches
[et au deis], —
N 140f 27 : Tieris verläßt Anseis und kehrt
zum Schlosse zurück, v Y bemerkt dazu: Et l’anf-
fans demeure illec plain de dueil et de tristesse et menoit la
plus terrible complainte, qu’il n’y ait [ajourd’uy] cy dur euer
qui n’eust [heu] pitiet de le öyr. —
N 14lf 9: Par dien, dan clers, dist li rois Anseys.
v VIII giebt den Namen des Sekretärs an: „Coment,“
[ce dit le roi], „Olris“ ploureis vous?
N 142e 10 entsendet Ludie nach allen Richtungen
Boten :
Si les envoie a Aras a Saint Quentin
Et a Cambrai et a Douai ausi.
v XI führt noch andere Gegenden auf: Premier
eile envoia a Arras et puis a Sainct Quantin; Pune fut envoiee
a Cambray une a Vallancienne l’autre a Doway. Apr&s en
renvoia une en Flandres et une a Tournay et les aultres en
divers päys. —
Kurze Reflexionen finden sich v III über die
Unbeständigkeit des jungen Lowis: Helas la bonne opi-
nion c’il l’eust tenus! Mais [las], il fist comme Pillaite au jngier
notre seigneur et comme dit la saincte escripture: il le des-
courpoit de prime faisse et Pescusoit vers les Juif, disant que
en lui ne trowoit cause de mort, mais touteffois en la fin l’a
consantis [et le jugeait a tort. Et aincy le fist Lowis . .]. —
Des öfteren ergreift Vigneulle Partei gegen Ludie.
V Y : Maintenant lairons ung peu a parier de Ludie a qui dieu
envoie malle fortune; car par son malvais conseille vint moult
de malz. Desgl. IY : la faulce femme u. dgl.
Regelmäßig wiederholt Vigneulle im Beginne
eines neuen Kapitels die Schlußsätze des vorher^
gehenden. —
Digitized by
Google
71
Häufig sind Verweise auf die Quelle, wie: comme
le mest la vraie istoire, comme mest ce presant acteur
XIV : mais son nom est obliez ne n’est point troväs escript . . .
XVII: mais je ne treuve point en escript toutteffois
comme la vraie cronicqne le met
Wie genau sich Vigneulle an seine Vorlage ge-
halten hat, ergiebt sich aus folgendem: 140a 17 spricht
N vom „l’yawe de Torin“, v giebt an der entsprechen-
den Stelle des HI. Kap. den Namen des Flusses mit
„yawe de Sorclin“ wieder. Einige Verse weiter (a23)
nennt N denselben Fluß „l’iave de Seclin“. v schließt
sich an der entsprechenden Stelle dieser Bezeichnung an.
E. Anhang.*)
Comment le roy Gerin s’en alla en estrange terre
se tenir en un grant bois et coment ung jour songeoit
ung songe du roy Gilbert, de Yonnet et de Malvoisin
(323a), et coment ce temps durant print volunteis a
Löys de Lans de aller a Collongne veoir Yonnet son
cousin.
v XVII: D&8 que la paix fut ainsy faicte, come nous
avons dict icy devant, et qu’ilz eurent enterreis les mors, prin-
rent congiäs le ung des aultres et s’en retoumerent arrier
chacun en son päys. Or vous diray du roy Gerin, quelle voul-
lunt6 il olt et qu’il fit! Voiant que ce monde n’estoit que
vanitäs et que l’homme y estoit tous les jours en dangier de
corps et d’ame, il fut inspiräs de dieu et abandonna terres, pos-
session et toutte honneurs, et affin de saulver son ame, se des-
robba de ses gens et s’en alla tont seul en ung estrange päys;
et estoit celle marche bien lointaine en laquelle il ne fut jamais
congnus. Puis illec se mit en ung grant bois asses prös de la
mer et delibera de illec vivre et morir; ne que pour chose
*) VgL S, 59, Zei\$ 12 ff.
Digitized by
Google
72
qu’il advenit a ses parens, cousins ne amis, promit ledit Gerin
que jamais ne s’en moaveroit ne ne se melleroit de lenr affaire,
ains se tenroit si secretement dedans ce bois, qne de nol homme
il ne seroit congnus; mais je ne treuve point en escript le nom
dn bois, ne du päys, ou que se fut . . . . (s. S. 58 Zeile 82 ff.)
Or advint une fois et fut, comme le met l’istoire, par ung mardi
matin que ledit Gerin luy estant au boix, comme dit est, songea
ung songe merveilleux, et luy sembloit qu’il estoit a Oollongne
dessus le Bin, et illec, come il luy estoit advis, veoit le roy
Gilbert et Yonnet son filz avec Malvoisin et plussieurs aultres.
Et alors dessus son chief descendit une aigle lequel, comme
il luy sembloit en songeant, luy conseilloit en l’oreille et
disoit aincy: „He Gerin, ce disoit l’aigle, demain du matin tu
te leveras et t’en iras a Collongne la bonne cit6, et illec tu
trouveras grant noise et grant rumeur et yraiB hairdiment,
tu ne seras point congnus. Or te m&s doncque en voie, et
quant tu y serais, tu te metterais, ce dit la vois, entre les
povres et fains estre povre et mandians, et tu verrais merveille
advenir.“ Et incontinant aprös ce dit, se despartit l’eigle et
n’en vit Gerin plus rien; par quoy pour la frayeur qu’il eust
pour celle Vision il se esveilla et fit le eigne de la croix en sa
poitrine et sur sa faice. Lors apparut le jour der et beau, si
se mist ledit Gerin a deux genoulx et fit sa priere a dien,
disant ainsy: „Mon dien, je te crie mercy! Helas, dit il, mon
dieu, je congnois que je suis ung grant pecheur, ne jamais bien
je ne fi, si vous prie par votre benigne graice et par votre
grant misericorde qu’il vous plaise a moy conforter et aidier,
et que je puisse, sire, prendre ung si bon conseil que ce soit a
mon honneur et prouffit.“ Apr6s ce dit, determine ledit Gerin
qu’il iroit veoir jusques a Collongne, pour s$avoir et veoir,
quelle chose il y pouroit avoir estös advenus. Et incontinant
il ce mist au chemin et ne fine d’aller de nuyt ne de jour par
mons et par plaines, tant qu’il vint [a] Collongne dessus le Bin,
et illec se mist entre les povres, comme dit est, et ne fut point
congnus de nullui. Or entendös pour dieu et vous oreis chose
merveilleu8e et estrainge a raconter, et oyr6s pour quelle cause
revint la noise et le huttin; car je croy moy que celle aigle qui
se apparut au roy Gerin fut le diauble ennemis de nature, lequel
estoit envieulx que celle paix duroit tant, et aussi estoit envieulx de
la penitence (823b) dudit Gerin; et pour ce luy donna teile illussion,
comme dit est, et en la manier qu’aväs öys» Or en celluy meyme
Digitized by
Google
73
temps, comme j’ay dit dessus, print volunteis a Lowis, de aller
a Collongne, visiter son cousin Yonnet, comme il fit, et tant a
chevaulchiö par ses journees, qu’il arriva en la citA Mais premier
qu’il fut descendus, vous oreis l’adventure qu’il luy advint! En
ce meyme jonr qu’il arriva retournoit le joune prince Yonnet
de la chasse et du gibier, ne ne s$avoit rien de la venue de
Lowis, et venoit ledit Yonnet darrier ses gens, plus que ung
archier ne sceut a ung coup tirer, avec aulcuns de ses plus priv^s
ami8, de quoy la guerre et generalle destruiction lors acomplie
des noble lignie devent dit; car aincy comme les gens du joune
prince montoient et vouiloient passer par dessus ung petit pont
dedans la vilie, vindrent iceulx a rencontrer les gens dudit Lowis,
et illec pour le passaige et pour la presse des chevaulx et du
bagaige y olt grant noise entre les ung et les aultres, sans ce,
comme dit est, qu’ilz se congnussent; ne ne s$avoient pas les
gens de Yonnet que ce fut Lowis, et tellement les rebouterent,
que le harnaix et somiers du dit Lowis furent reculles arrier,
malgrey qu’ilz en eussent. Parquoy illec y olt ung des homes
audit Lowis lequel se despita et en sa fureur se avansa et re-
monta dessus le pont tenant l’espee nue a deux mains, de la-
quelle il donna ung si grant coup dessus la teste a ung des prin-
cipal officiers dudit Yonnet, qu’il luy fendit en deux moitie.
Mais jay pour ce ne furent ALlemant esbahis ; car en vangeance
de cest oultraige y olt illec grant noise et grant hutin, et en
morurent plussieurs dessus la plaice et d’un cousteit et d’aultre,
souverainement des gens dudit Lowis. Parquoy, quant il
vit c’on luy tuoit ainsy ses gens, en fut dollent et courrescie,
si remonta sur ung grant cheval que on luy menoit et fit tenir
le sien petit, et alors se referi en la mellee come ung desesperes
ou comme le loups faict aux berbis, et frappant a dextre et a
senestre tellement, que illec y olt grosse mellee grant brais et
grant cris. Alors l’on vint dire a Yonnet lequel venoit d’ arrier,
coment dessus le pont y avoit ung grant huttin, et estoit ce
fait par ne s$av quelles gens estrange qui luy avoient tu6s son
officiers et plussieurs aultres de ses gens. Et quant il en öyt
les nouvelle8, il fut bien corressiö et dollent et s’en vint cour-
rant en la mellee, dont guerre de lion en vint; car alors se
frappa dedans, sans enquerrir quj a droit ne tort, et a sa venue
y olt grant bruit. Mais en ces entrefaictes y olt ung des homme
dudit Lowis lequel se partist de ses gens, et secretement c’en
vint par derrier, et Sans ce qu’il congnut ne ne sceut que se
Digitized by
Google
74
fut Yonnet, il luy vint a donner ung si grant coupt deseus la
teste, qu’il luy feudit en deux raoitie et l’abatit mort en my la
plaice tout devant luy. Lors fut grant le cris et le bray, quant
ilz congnurent leur seigneur mort, sy se sont tous arresteis dessus
le corps come gens tristes et marris. Alors l’escuier qui avoit
ce coupt faict fut bien esbahis, quant il vit et congnut que
c’estoit Yonnet qu’il avoit occis, si s’en vint incontinent a Lowis
son seigneur et luy dict ainsy. „Sire“, faict il, „pour dieu fouyäs
vous en et vous mettäs a saulveteis; car j’ay mort et tues le
noble prince Yonnet, sans ce que je le congnusse aucunement!“
„Las, moy dollans“, ce dit (324a) Lowis, „et que pouray je
devenir? Ha fortune, que tu m’es contraire et parverse! Et les
piteuses nouvelles qui en vindront a mon chier oncle Germ lequel
si chierement j’amois! Or a perdus ledit mon oncle et Yonnet
mon cousin! Helas, ou füyrai je, dollent chetif que je suis?
He mort prens moy; car plus ne quier a vivre, ains vouldroie
a ceste heure estre mort et destrenchies !“ Et en disant lez
motz luy qui estoit bien monteis print a fouyr, ne ne laicha
de courre, tant que cheval l’en polt pourter, jusques a ung
grant bois auquelz il se boutta en chevaulchant tonte la nuyt,
et ainsy par bois et par hayes sans tenir sentier ne voie
chevaulcha tant qu’il povoit, et menoit molt grant dueil et
plain[t]es pour l’amour dudit Yonnet son cousin. Et tant ay ledit
Lowis chevaulchiäs de nuyt et de jour, par montaignes et par
vallees, qu’il arriva en la citä de Mets par ung matin , et quant
il fut venus, se logea chiece ung bourgeois, sans ce qu’il se fit
congnoissant ; car aultrement, [s]’il eust esteis congnus, tout l’or
du monde ne l’eust pas saulväs ne gairantis, voir, se l’on eust
seu la verite du faict, qu’il ne fut esteis mort et destrenchiäs.
Et la plus part de ses gens qu’il lessa a Coilongne furent tuäs
et mis ec pieces. Mais de luy nous lairons or ung peu le par-
ier et dirons du roy Gerin lequel pour la mort de Yonnet fit
grant complainte, come cy apres vous sera dict.
Des grandes complainctes et lamentacions que
fit le roy Gerin pour la mort de Yonnet qui ainsy
povrement avoit este murtris, et coment ilz le firent
honnorablement enterrer a Sainct Pierre de Coullongne.
Puis print congie ledit Gerin, et avec son abit incongnus
s’en vint a Mets en laquelle il trqwoit Lowis et
Digitized by
Google
75
l’occit, puis c’en alloit en teile liu, que oncquez depuis
on ne le vit.
v XVIII: Nous lairons ung peu a parier de Lowis pour
le present et retournerons au roy Gerin lequel, come cy devant
est estez recitez et dit, estoit a ceste heure a Collongne, quant
le noble Yonnet y fut ainsy meschaulment murtris. Mais il
n’y a euer qui peult croire, ne langues qui sceut dire la dolo-
rouse complainte que le noble roy Gerin fit. „Ha“, dit il, „mon
tendre enfiant noble en euer et en courraige, la malle fortune
qui est avenue ycy! Helas, quelle doleur ay je en mon euer,
moy, qui vous vois si mort gesir! Or jay a dien ne plaise
qui pour nous mourut en croix que le traistre en demeure
impugnis; carjamais n’avrai en mon euer joie, tant que de mes
deux mains propres je l’avrai estrangles et oecis. J’ayme
mieulx, dit il, que le blame en soit miß dessus moy que dessus
ung aultre; car il l’ait tropt desservis aussy. La justice en
apparthient a moy come seigneur du lieu, et non point a
aultrui. Et ainsy faisant je metteray le päys en paix, et n’y
avra plus noise ne huttin!“ Apres ce dict, et qu’il eust faict
plussieurs complainctes, firent ceulx de Collongne prendre le
corps du joune prince et le firent pourter a la grant esglise de
Sainct Pierre. La nuyt fut veillie sellon la coustume avec grans
pleur et lamentacion et aucy avec grant luminaire, et illec y
olt plussieurs relligieolx, abbes, prieurs, moines et convers disant
vigilles et souffraiges toute la nuyt, jusques que le jour apparut
beau et cler ; lequel venus firent enterrer le noble prince en ung
riche sepulchre et monument (824 b', come a son estat apparte-
noit. Et en ce faisant y olt grans pleurs et plains de la royne
sa maraistre et de ses gens et amis et especiallement dudit Gerin
lequel en fit plussieurs laraentacions et plaintes qui troups longues
seroient a raconter. Puis ce faict ont prins le Chevalier de
Lowis qui avoit donnes le coupt, et d’icelluy ont fait une
griefve et cruelle justice. Alors apräs ce faict se mist le dit
Gerin en voye a son retour en tirant droit devers Mets, et en
allant son chemin menassoit tr6s fort ledit Lowis. Or fit tant
par ses journees en passant bourgs et villaiges, que a Mets
arriva par ung jour de vandredi; et quant il fut la venus, s’en
alla parmei la ville d’un lieu en aultre et en abis dissimuleis
et incongnus tellement, que en cheminant parmei les rue il a
trouves ledit Lowis lequel estoit alors seullet en la court en
Digitized by
Google
76
chtöce son hoste, qui affaitoit ung bean cheval en (!) lni aplai-
nioit le col et la poitrine. Et da plus tost qa’il le vit et aper-
ceust, il regarda entour de luy qu’il n’y eust persona e et c’on
ne le vit, et alors qu’il ne vit personne, se se print a crier et
dit: „Ha vassal, que dien te puisse mauldire! Mais dis moi
larron traistre, porquoy ait tu mors et tues le gentil Yonnet,
puis que la paix estoit faicte de toy et de luy? Et jay a dien
ne plaise que tu en puisse eschapper vif!“ Et alors apr&s ce
dit se feit congnoissant ledit Gerin. „Je suis“, faict il, „Gerin
qui fit la paix de toy et de luy, mais jay a dien ne plaise que
tu en demeure impugnis, malvais traistre que tn 6s! De male
mort puissent tu morir; car jamais de toy ne de ta merre bien
ne vint!“ Et aprez plussieurs aultre parolle qu’ il luy olt dit,
lesqnelles seroient troup longues a raconter, et tont en parlant
a lui, il baulsa son bourdon du quel il donna nng si grant et
lourd coups audit Lowis, qu’il Pabatit mort estendus tout de-
vant lui. Et incontinant ce faict, il monta sur le cheval que le-
dit Lowis tenoit, et aincy monteis s’en vint au grant moustier
de Mets et la trouva plussieurs bourgeois de la cyte ausqnelx
il conta et dit tout le faict, enthierement depuis le commen-
cement jusques a la fin. Premierement leur dit, coment ledit
Lowis avoit tu6s en trahison le roy Gilbert, et toutte la guerre
que a Poccasion de ce se avoit ensuit, et les maulx qui en estoi-
ent advenus, come cy devant av6s öy. „Et pour ce“, dit il,
J’en a (!) faict la paix et en a (!) tu6s le dit Lowis, mon cousin.
Altes le voir, dit Gerin; car vous le tronverös illec mort esten-
dus auprfcs du mur de la court en son lougis. Je suis, dit il,
Gerin, filz au duc Baigue de Bellin qui enmaine son bon che-
val, et me veulx trasporter en ung aultre päys. Pour ce je
vous prie ou nom de dien qui pour nous en croix pendit que
tout maintenant prenäs le corps du dit Lowis, et soit enterreis
et mis a Saint Arnoulf hors des porte — laquelle eglise ce ap-
pelloit en ce temps Peglise des apostre — tout aupr6s le noble
duc Hervei; et ce faict mandez a Ays en Gascongne querir le
corps du roy Gilbert lequel pareillement soit enterreis audit
lieu des apostre et illec mis et enfouys. Et moy, fait il, je
prendrai le cheval et m’en retourneray arrier au boix dont je
suis partis, pour servir a dieu, affinque de mez pechiez ayes
mercit; car ainsy je l’ay vouez et promis, et a (!) deliberez (325a)
de n’en bougir jamais, tant que par mort de moy soit la fin.“
Lors apres ce dict print congie d’eulx tous et les commanda
Digitized by v^ooQle
77
a dieu la eite et tont le pftys, ei pieque le cheval des esprons
et fit tant par ses jonmees en chevaulchant par mons et par
vaulx, qu’il est revenus dont il estoit partis, ne jamais plns
n’en öyt on nouveües bonnes ne malvaise, corne l’ütoire le met
et le dict. Et ainsy doncqne faillit la grant lignie et le grant
paraige qni procedoit da dac Hervei et aassi celle de Herdre,
de Fromont de Lans et de Fromondin son filz, lesqnelles deux
lignees por bien peu d’occasion sont vennes en grant confasion
et se sont mis Tang l’aatre a fin, comme il voos ait par cy
devant asses estez desclairez et dict. Et ponr ce avise a tous
prince et seignenr que bien ce doit on garder de follie entre-
prendre; car la fin en est dangerense et malvaise et n’en peult
nul bien venir. Dieu par sa misericorde et infinie bont6 aye
des trespasses merey et vuelle tous garder de encheoir en telz
dangier et peril! Amen.
(TV
Digitized by v^ooQle
Lebenslauf.
Am 9. November 1879 wurde ich, Karl Jahn, evangel.
Bekenntnisses, zu Wandsbeck in Holstein geboren. Da mein
Vater im nächsten Jahre in bremische Staatsdienste übertrat,
in denen er als Lehrer an der städtischen Seemaschinistenschule
zu Bremerhaven tätig ist, erhielt ich meine Schulbildung anf
den Realgymnasien zu Bremerhaven und Vegesack a. d. Weser.
Letzteres verließ ich Ostern 1898 mit dem Zeugnis der Reife.
Neuere Sprachen studierte ich 3 Semester lang in Marburg,
ging dann auf 1 Semester nach Berlin, darauf nach Göttingen,
wo ich wiederum 3 Semester hindurch verweilte. Mich. 1901
kam ich nach Greifswald und bestand am 8. Dezember 1902
das examen rigorosum.
Meine akademischen Lehrer, bei denen ich Vorlesungen
hörte, bezw. an deren Seminaren und Übungen ich teilnahm,
waren :
Marburg:
Brandi, Doutrepont, Koschwitz, Köster, Kretschmar, Kühnemann,
Oldenberg, Rathgen, Schroeder, Tilley, Vietor, Wrede.
Berlin:
Brandi, Harsley, Pariselle, E. Schmidt, Schultz-Gora, Tobler,
Weinhold.
Göttingen:
Baumann, Heyne, Morsbach, Roethe, Stimming, Wentzel.
Greifswald:
Heuckenkamp, Konrath, Lovel, Reifferscheid, Schuppe, Stengel.
Allen meinen verehrten Herren Lehrern sage ich für die
Anregungen, die sie mir für meine Studien gegeben haben,
meinen verbindlichsten Dank. In erster Linie fühle ich mich
Herrn Prof. Dr. E. Stengel verpflichtet. Genanntem Herrn
verdanke ich nicht allein die Anregung und Förderung der
vorliegenden Arbeit, sondern er stellte mir auch in liebens-
würdigster Weise das erforderliche Material zur Verfügung.
Digitized by v^ooQle
Thesen.
I.
Die Erklärung des altfranzösischen estuet esto-
voir = stüpere ist zu verwerfen.
II.
Die neuere Erklärung des italienischen niente aus
ne -|- gent ist nicht beizubehalten.
III.
Die Benutzung der True Tragedy von Seiten
Shakespeares ist durch die von George Bosworth
Churchill dafür angegebenen Beweisgründe zur Gewiß-
heit erhoben.
Digitized by v^ooQle
Digitized by
Digitized by v^ooQle
Digitized by
Digitized by
Digitized by
C04M022512
Digitized by v^ooQle
Digitized by
0044022512
Digitized by v^ooQle
Digitized by
C0440225^2
Digitized by
Google
Digitized by
Digitized by v^ooQle